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20.4.16

Maifest



Der Wald steht voller Buschwindröschen, Duftveilchen, Huflattichblüten und Schlüsselblumen, und in unseren Garten sind die Schwalben zurückgekehrt. Und wie über Nacht sind die Bäume auf dem Hungerwald hinterm Haus ausgeschlagen.

Alles Leben in der Natur drängt mit Macht hervor und zeigt sich wieder, und wir zeigen uns auch und holen die bunteren und leichteren Kleider aus dem Schrank. Der Frühling ist endlich da, was für ein tolles Lebensgefühl!
 
Die Farben des Festes sind das Grün des Grünen Mannes als Hüter der Vegetation und das Rot des Kleides der Maigöttin für die Lebensfreude und die Fruchtbarkeit.
 
Wir feiern dieses Jahr ganz traditionell am 30. April in den Mai. Beginn des Festes ist wie immer 18 Uhr, und auch deine Kinder und Freunde sind herzlich eingeladen.
 
Bitte sei pünktlich! Bring deine Trommel und Rassel, wenn du hast (können auch kostenfrei ausgeliehen werden), und einen Speisenbeitrag zum Maibuffet, sowie eigenes Geschirr und Besteck.
Außerdem braucht jeder ein ca. 7 Meter langes, buntes Band (Geschenkband oder dicke Wolle) für den Maitanz.



2.2.16

Lichtmess



Kommen die Winterriesen nun noch mal mit Schnee und Eis übers Land gepoltert, oder fängt bald der Vorfrühling an? Achten wir doch auf das Wetter am Lichtmesstag (2. Februar). Ihr wisst ja, kommt dann der Dachs aus seiner Höhle und sieht seinen Schatten, hält sich der Winter noch sechs Wochen lang.

Trotzdem singen die Vögel wieder, die Zaubernuss blüht, und wir wünschen euch ein fröhliches Lichtmessfest und eine närrische Zeit! Der Wassermann regiert, der „Clown“ des Tierkreises, und stellt alles auf den Kopf. Er zieht seinen bunten Harlekins Anzug über und bricht mit Leichtigkeit das Wintereis und andere verkrustete Strukturen mit seiner guten Laune und seiner tiefen Menschenfreundlichkeit.

Kehrt den letzten Weihnachtsschmuck  und alles Überflüssige hinaus, schafft Platz für das Neue! Geht zu euren Lieblingsbäumen und singt ihnen ein Lied, denn die Säfte beginnen zu steigen, und ihr könnt dabei helfen. Dann steigen sie auch in euch wieder.

2.11.15

Ende und Anfang - die Ahnenzeit


   Noch ist der Herbst golden, doch das wird sich bald ändern. Der erste richtige Frost holt die Blätter von den Bäumen und Sträuchern, bis diese nur noch als kahle Gerippe dastehen. Alles Leben scheint sich in die Unterwelt zurückzuziehen.
   Weiße Nebel verhüllen die Sicht, manches lässt sich darin nur noch erahnen. Die Schleier zwischen den Welten werden durchsichtiger. Das ist die Zeit, in der diejenigen spürbar werden, die vor uns über die Erde wanderten. Unsere Vorfahren, die Ahnen, winken von der anderen Seite und wollen teilhaben am Leben ihrer Nachfahren. Wir laden sie ein, indem wir für sie Lichter in ausgehöhlten Rüben, Kürbissen, in Laternen und als Adventskerzen anzünden und ihnen vielleicht die eine oder andere Speise hinstellen.
   Und wieso Anfang? In manchen vergangenen Kulturen begann das neue Jahr zu dieser Zeit, so wie die Alten den neuen Tag auch am Abend begannen. Das ist ein ganz anderes Denken und Empfinden. Das Neue abends oder zum Jahresausklang zu beginnen, bedeutet, der Seele Raum zu geben, die Veränderungen zu erspüren, bevor der Körper beginnt, die neuen Impulse in die Tat umzusetzen.

6.9.15

Herbstbeginn - die Suche nach Balance



Der September schafft einen Übergang von der warmen zur kalten Jahreszeit, indem er uns noch einige sommerliche Tage schenkt, die Nächte sind aber schon empfindlich kühl. Je größer die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind, desto prächtiger und "feuriger" erscheint später das Herbstlaub. Aus diesen Extremen, Wärme und Kälte, Tag und Nacht heraus, suchen die Kräfte der Herbsttag- und Nachtgleiche wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Und das sieht letztendlich so aus, dass sich zu den kalten Nächten dann auch die kalten Tage gesellen, weil die Bahn der Sonne unaufhaltsam immer flacher und kürzer wird (bzw. weil unsere Heimatregion auf der der Erde sich immer weiter von der Sonne wegdreht).

So weit, so gut. Und was erleben wir in dieser Zeit? Wir suchen  auch das Gleichgewicht der Kräfte. Aus dem lichten, warmen Sommer kommend müssen wir hinein in die Dunkelheit und Kälte der zweiten Jahreshälfte und brauchen dafür Mut und Entschlossenheit sowie die Hilfe unserer Mitmenschen. Abschied und Tod sind ein Thema in dieser Zeit, als auch Dankbarkeit für die Fülle der Gaben des Sommers - Erntedank. Ein Spagat im Denken und Fühlen. Der Abschied stimmt traurig, und die Dankbarkeit stimmt froh und öffnet das Herz und die Hoffnung auf ein Weiterleben. Dies beides gleichermaßen zuzulassen, es gar zu integrieren schafft ein Gleichgewicht im Sein.

30.7.15

Schnitterzeit

 
 

Glühwürmchennächte...
 
Schwarze Schatten jäh im Grün -
 
Ein Blatt fällt herab
 
 
Plötzliche Erkenntnis: die scheinbar endlose Sommerseligkeit geht doch einmal zuende.
Dazu fällt mir eine Bauernregel für den 26. Juli ein  "Ist St. Anna erst vorbei, kommt der Morgen kühl herbei."

In diesem Jahr tun die Wettermacher aber so, als hätten sie noch nie von dieser Regel gehört, und die dritte Hitzewelle dieses Sommers geht über unser Land hinweg. Das Korn ist geschnitten, und die Strohrollen liegen gleichmäßig verteilt auf den Stoppelfeldern. Das Grün der Bäume wird matt und dunkel, und manchmal schleichen sich schwarze Schatten hinein und machen die Kontraste schärfer. Das Licht der Sonne erscheint goldener, und rote Beeren leuchten im Gezweig. Hier und da färben sich auch schon die Äpfel.

Mitte August ist traditionell die Sammelzeit für Heilkräuter vorbei. Stattdessen gingen die Frauen hinaus und sammelten einen blühenden Strauß aus bestimmten Pflanzen und ließen ihn segnen, damit er sie und ihre Familien über die dunkle Zeit beschützen sollte. Manchmal wurde etwas davon abgebrochen und als Schutz- und Heilräucherung verwendet. Gerade in diesem Jahr haben junge Frauen aus einem Nachbardorf diesen Brauch wieder belebt.

Die erste Ernte wird eingefahren. Was haben wir schon geerntet? Was ist aus unseren Wünschen und Projekten vom Jahresbeginn geworden? 

2.2.15

Lichtmess

 
Um die Lichtmesszeit wird der Bär in seiner unterirdischen Höhle unruhig und erwacht aus seiner Winterruhe. Er erhebt sich gemächlich und schaut blinzelnd aus seinem Eingang ins Freie. Scheint dann die Sonne, so zieht er sich gleich wieder in seinen Bau zurück und schläft noch weitere sechs Wochen, denn er weiß, dass der Winter noch so lange dauern wird. Ist es dagegen trüb, so kommt er heraus und beginnt nach den ersten Kräutern zu suchen. Dann ist die kälteste Zeit zu Ende. Da es bei uns schon lange keine wilden Bären mehr gibt, hat der Dachs, ein kleiner Verwandter von ihm, diese Aufgabe übernommen.
 
Merklich länger sind die Tage seit dem Mittwinterfest geworden, und wir haben schon einen Specht im Wald klopfen gehört, Mücken in der Sonne tanzen sehen, und morgens zwitschern die Vögel wieder. Bald beginnt das närrische Winteraustreiben, und dann leuchten in der Rhön die Hutzelfeuer auf den Hügeln. Es ist eine Zeit des Loslassens von Altem und eine Gelegenheit zur Reinigung, mit welcher der Neubeginn anfängt. Das Fest kennzeichnet den Übergang vom tiefsten Winter zum Frühlingsbeginn.
 
Die Alten gingen in die Gärten und klopften an die Bäume, um sie zu wecken, denn jetzt fangen die Säfte der Bäume wieder an zu steigen, und alles Starre muss sich lösen. Und wir wollen dieses Jahr Kerzen für besondere Anlässe weihen.

1.11.14

Das Ahnenfest



November ist Ahnenzeit. Pflanzen und Bäume ziehen ihre Lebenssäfte in die Wurzeln zurück und lassen sie den Winter über tief in der Erde zur Ruhe kommen. Die Blätter welken, werden zuerst gelb, manche rot und dann braun, bis sie sich schließlich ganz lösen und zu Boden fallen. Nur was verholzt ist, bleibt stehen. Oberhalb der Erde sieht es nach dem ersten Frost so aus, als ob die Vegetation gestorben wäre. Die verwelkten Pflanzenteile und Blätter bilden einen Teppich, der die Erde zudeckt und vor der Kälte schützt. Die Tage werden weiterhin kürzer, und Nebel lässt die Konturen verschwinden. Die Vögel singen nicht mehr, und viele Tiere haben sich verkrochen, um Winterruhe zu halten. 
 
Wir tun es ihnen gleich, ziehen uns in die Häuser zurück, und beschäftigen uns mehr und mehr mit innerlichen Angelegenheiten. Es ist eine gute Zeit, um sich an seine Wurzeln zu erinnern und derer zu gedenken, die vor uns da waren und denen wir unser Dasein auf der Erde zu verdanken haben. Man sagt, die Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten werden jetzt dünner, und Kontakte sind leichter möglich. Es tut gut, sich mit den Ahnen zu verbinden. Und wer sich ihnen mit Dank aber auch mit Bitten zuwendet, kann die Erfahrung machen, dass sie uns generell freundlich gesonnen sind und gerne helfen.

17.4.13

Der achte Tag - und der Frühling duftet!



Heute endlich Veilchen. In einem Vorgarten zwar nur, aber geduftet haben sie genauso himmlisch. Und später sah ich tatsächlich noch zwei wilde Blütchen, die sich auf einem Grasweg in eine Mulde duckten. Überhaupt ist der Frühling jetzt nicht nur zu sehen und zu hören, sondern auch zu riechen. Und immer mal wieder Bärlauchduft - kann aber sein, dass es mein Atem war, denn ich hatte zum Frühstück schon welchen gegessen. Eine erste Pestwurzblüte an einem Bach sah ich auch - in Rot.


Das erste Mal kurze Ärmel! So viele erste Male, deshalb nennen die Italiener ihren Frühlig auch Primavera. Von oben betrachtet sind die jungen Getreidefelder echt Smaragdgrün, und ich singe das Lied vom lieben Mai, der endlich auch die Bäume wieder grün machen soll.


Am Anfang so eines Wandertages tun meistens die Beine, Kniee und Füße etwas weh und sind noch steif. Das lässt aber irgendwann nach - bis gegen Ende der Tagesstrecke, dann tut wieder alles weh, und ich werde etwas unleidlich. Aber wer weiß, wie lange ich so etwas überhaupt noch machen kann.


6.4.13

Frau Holle auf dem Hohlstein






Mindestens seit 1999, nämlich als wir hierher zogen, kenne ich den Hohlstein. Beim Spazierengehen ums Dorf oder auf Autotouren in der Umgebung ist er immer wieder zu sehen, ein großer, sanft gerundeter, bewaldeter Hügel, zwischen sechs- und siebenhundert Meter hoch. Und obwohl ich mir die Namen der Berge und Hügel ringsherum von Anfang an ziemlich gut merken konnte, hatte ich seinen Namen die ganzen Jahre hindurch immer wieder vergessen, wenn ich ihn sah. Das war schon richtig auffällig, und im letzen Jahr bin ich sehr konzentriert drangegangen, ihn mir endlich einzuprägen, mit Erfolg.


Und erst vorgestern Abend, einen Tag bevor ich ihn im Zuge meiner Etappenwanderung auf dem Hochrhöner Wanderweg überqueren wollte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen – natürlich, das ist ein Holle-Platz! Sofortiges googeln bestätigte meine Annahme. Als ich dann am nächsten Tag tatsächlich dort oben war und auf einer Bank rastete, fand ich den Gipfel nicht, bzw. konnte ihn nicht sehen, obwohl er ganz in der Nähe sein musste – seltsam. Ich schaute auf meine Wanderkarte, wo er eingezeichnet ist, und auf die Wege drum herum, aber ich sah ihn nicht. Ihn suchen wollte ich zu diesem Zeitpunkt nicht, denn ich war ja auf diesem speziellen Wanderweg unterwegs, dessen Streckenverlauf aber grad an dieser Stelle geändert worden war – weitere Verwirrung.





Ich erzählte das alles W., und gemeinsam suchten wir den Gipfel am nächsten Tag von unten auf der Straße aus dem Auto heraus, fanden aber nichts Eindeutiges. Irgendwo oberhalb dieses kleinen Dorfes, durch das wir fuhren, musste er wohl liegen. Und da fiel mir ein, dass ich vor etwa fünfzehn Jahren mit einer Gruppe von Frauen, von denen eine in dem Dörfchen unten gewohnt hatte, dort oben unter riesigen Fichten Beltane gefeiert hatte. Es war dunkel gewesen, als wir hochstiegen, und ich wusste nicht so richtig, wo wir uns befanden. Das war ein denkwürdiges Fest. Eine Frau hatte etliche Reisigbesen mitgebracht, die sie auf dem Speicher ihres neu bezogenen Hauses gefunden hatte, und im Verlauf der etwas chaotischen aber wunderbaren Feier entledigten sich einige der Frauen spontan ihrer Kleider und liefen nackt durch den Wald. Ich war leider nicht dabei, und viel mehr erinnere ich auch nicht davon. 


Zwei Tage nach meiner vergeblichen Suche fuhr ich mit dem Auto hoch bis zum Hotel und ging von da an einfach immer bergauf. Nach ca. 500m kam ich an ein großes, von Fichten und Buchen umstandenes und mit einem Weidezaun eingegrenztes Plateau. Auf der einen Seite der Weide wachsen auch große Buchen, und eine riesige Fichte steht ein Stück weiter allein. Sie hat zwei Stämme oder Äste, die aus einer Stelle im Boden heraus wachsen und sehr dick und knorrig sind. Und ganz am Rand der ebenen Fläche, direkt am Stacheldrahtzaun ein großer Stein. Na, der ist auch nicht von allein hier herauf gerollt, war mein erster Gedanke. Zumal es keine anderen von annähernder Größe gibt. Ich ging näher und siehe da, oben hat der Stein eine Vertiefung wie ein Hollestein. Das Wasser, welches sich darin sammelt, gilt als besonders heilsam und Fruchtbarkeit bringend.  



Dieser Platz scheint ziemlich vergessen zu sein, denn ich fand in dem alten Schnee keine anderen Fußspuren als meine. Rasselnd spürte ich eine mächtige, sanfte Präsenz von etwas wirklich Großem über diesem Platz, und kurz tauchte eine Frau in einem blauen Leinenkleid auf mit weißer, gestärkter Haube, wie eine tüchtige Hausverwalterin. Ich dachte, so haben die Menschen, die hier feierten, sie vielleicht gesehen.


 




Ich setzte das mitgebrachte Kerzenglas und das rot verpackte Schokoladenei in die schneebedeckte Mulde und weiß, dort bin ich bestimmt nicht zum letzten Mal gewesen.



4.4.13

Der dritte Tag - die Runde



Seit heute bin ich auf der eigentlichen Hochrhöner-Runde unterwegs, die letzten beiden Tage waren nur "Zubringer".

Alte Hainbuchen bilden einen magischen Platz

Als ich losging, war es bedeckt, aber der Wind war wenigstens nicht stärker geworden, schwächer aber auch nicht. Die Temperatur am Start war fast -5°. Gegen Mittag kam die Sonne ein paarmal heraus. Weite Strecken musste ich über fest getretenen Schnee oder rutschiges Eis gehen. Zum Glück habe ich heute mal die Nordic Stöcke mitgenommen, das hat geholfen.


Mittagspause aufdem Hohlstein

Einer der Hügel, über die ich heute wanderte, heißt Hohlstein. Nun leben wir schon seit mehr als 13 Jahren hier in der Gegend, aber erst gestern fiel mir auf, dass Hohlstein etwas mit Frau Holle zu tun haben könnte. Jedenfalls habe ich viele Google-Seiten dazu gefunden. Manchmal steht man aber auch auf dem Schlauch...


Die Linde ist zwischen 600 und 800 Jahre alt

Keine sieben Jahre ist der Wanderweg alt, und schon haben sie den Streckenverlauf geändert. Auf diese Weise fand ich zum Schluss etwas abseits des Weges das winzige Dorf, in dem die uralte Linde steht, die ich immer schon mal besuchen wollte.


Ich find, der macht nen schlanken Fuß, der Baum

3.4.13

Der zweite Tag - oder die Wiederentdeckung der Langsamkeit

Vergiss nicht:
Das Leben ist kurz
Also brich die Regeln, wenn nötig
Vergib schnell
Küsse bedächtig
Liebe ehrlich
Lebe
Und lasse niemals zu, dass du das Lachen verlernst

Am Morgen gefunden, Verfasser unbekannt, mein Wahlspruch für den heutigen Tag.



Die Vorstellung, trotz der Kälte wieder raus zu gehen, machte mir gute Laune. Alles besser als in der Bude zu hocken und über das Wetter zu schimpfen - und außerdem schien die Sonne. Heute war der Wind sogar noch schneidender als gestern, er brauste und dröhnte in den Wipfeln der Wälder. Ich hatte mich aber wärmer angezogen und fror deshalb nicht ganz so - teilweise trug ich sogar zwei Mützen übereinander. Dafür war's an windgeschützten Stellen richtig schön in der Sonne.

Erste Teepause - der Thermosbecher lockt den Frühling herbei

Ich bin ja an sich schon nicht die Schnellste, und schon gar nicht am Berg. Aber heute brach ich alle Rekorde in Langsamkeit, und häufig blieb ich auch noch stehen um durchzuschnaufen - das kann man einem Wanderpartner gar nicht zumuten, außer meiner Hündin Saba, für uns zwei war's okay. Ich war heute sogar eine Stunde länger unterwegs als gestern und schaffte eine zusätzliche Etappe, die ich mir eigentlich für Morgen vorgenommen hatte. Irgendwie waren die Gelenke besser geschmiert, und die Heilung hat schon begonnen.

Zweite Teepause am Bach im Malerdorf


Hier fiel die Entscheidung: abholen lassen oder doch hoch auf den Berg - ich wagte es. In der Sonne wirbelten winzige, funkelnde Schneekristalle, aber oben war's bewölkt und alles noch richtig winterlich weiß, und ich hab's geschafft!

Die Milseburg werde ich am Schluss der Runde überqueren


28.11.12

Aschera



Die Exfrau des Wettergottes Ba'al und spätere Gefährtin des alttestamentarlichen Gottes aus dem Jerusalem des 8. und 7. Jh. vuZ. Man fand Inschriften, die lauteten "Jahwe und seine Aschera". Später - in sehr kriegerischen Zeiten - wurden die beiden wieder geschieden, und Aschera wurde aus dem Tempel hinaus geworfen und ihre Darstellungen auch anderswo verboten und zerstört.

Die Sendung "Terra X" im Zdf, das für mich immer das Mainzer Flaggschiff des Katholizismus gewesen ist, berichtete letztens über neuere Ausgrabungsergebnisse. Demnach wurden in Jerusalem rund um den Tempel Hunderte solcher Figurinen aus der Zeit zwischen 750 und 620 vuZ gefunden.




Ihre Form stammt womöglich daher, dass sie ursprünglich in Wäldern und Hainen aus Baumstämmen geschnitzt wurden.

Irgendetwas hat diese Sendung in Bezug auf die Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft der letzten fast 3000 Jahre bei mir zurecht gerückt. So als ob sie ihren angestammten Platz an der Seite des Mannes nach Jahrtausenden der Diskriminierung, Unterdrückung und sogar Auslöschung der Frauen endlich wieder offiziell einnimmt - mit dem Segen des Zweiten Deutschen Fernsehens. Da soll noch einer sagen, es tut sich nichts.



Und wo wir schon mal so schön ketzerisch sind: bei meiner Suche nach Aschera und dem Beduinenstamm, der in Saudi Arabien angeblich unseren lieben Gott erfunden hat, fand ich auch noch ein paar Darstellungen Jahwes aus der Zeit, als es noch nicht verboten gewesen war, ihn abzubilden.


als Herr der Tiere...





...und auf Münzen oder Siegeln mit Kopfschmuck und Gefährt



11.6.12

Gewitter im Wald


Zum Glück hatte ich den Schirm mitgenommen. Im Wald fiel mir auf, wie wenig Schnecken es dieses Jahr gibt, vor allem die großen Nacktschnecken sah ich kaum. Es nieselte manchmal ganz sachte, dann wieder nicht, und ich klappte den Schirm auf und zu. Dabei lauschte ich den Stimmen der Waldvögel und war wie immer ganz betört davon.

Plötzlich ein Grollen über unseren Köpfen! Mein schreckhafter Hund machte einen Satz und und lief ein paar Schritte fort, den Schwanz eingeklemmt. Sie ließ sich aber gleich wieder herbeirufen. Etwas später öffneten sich die Tore des Himmels und es strömte wie aus Gießkannen hernieder.

Wieder ein Donnerrollen, noch näher! Die Hündin dachte erneut, sie könnte davor weglaufen, kam aber auch diesmal zurück. Ich ging abseits des Weges, wo große Bäume standen und dachte: Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen. Also suchte ich mir statt einer dicken Eiche eine schlanke Buche und stellte mich drunter. Auf halber Höhe hatte der Baum ringsherum ganz nah am Stamm dichtes Blattwerk gebildet, das wie ein Schirm keinen Tropfen durchließ. Der Hund saß mir auf dem Fuß, so dicht an mein Bein gepresst, dass ich auf dem unebenen, weichen Waldboden nur mit Mühe aufrecht stehen blieb. Die Vögel waren schon seit einiger Zeit verstummt.

Nach einer Weile leuchtete noch ein Blitz, und gleich darauf krachte es richtig! Jetzt fuhr mir auch der Schreck in die Glieder, habe ich doch seit meiner frühesten Kindheit Angst vor Gewitter und die fixe Idee, ich werde mal durch einen Blitzschlag sterben. Aber jetzt doch noch nicht! Gute Gelegenheit, die eigene Standfestigkeit zu testen. Ich rief meine geistigen Verbündeten und machte ihnen klar, dass ich noch einiges vorhätte.

Irgendwann hörte ich einen Vogel singen und wusste, das Gewitter ist vorüber gezogen, und ich bin noch mal davon gekommen.

26.2.12

Hutzelfeuer

foto wiki

Heute ist wieder Hutzelsonntag, der Sonntag nach Aschermittwoch, heute werden bei uns die Winterdämonen mit großen Feuern vertrieben und verbrannt. Seit Wochen schon wurde der Hutzelhaufen von den Jugendlichen der Freiwilligen Feuerwehr aufgeschichtet, etliche Meter ist er nun hoch. In der Hauptsache Baum- und Heckenschnitt und die alten Weihnachtsbäume wurden im Wald und im Dorf gesammelt, aber auch andere Holzabfälle werden mit verbrannt.

Hutzeln sind ursprünglich gedörrte Pflaumen, aber auch sehr alte Frauen mit runzligem Gesicht wurden so genannt. Es gab an diesem Sonntag traditionell die Huitzelsopp zu essen oder auch Huitzelkreppel, welche die jungen Leute von den Dorfbewohnern geschenkt bekamen. Bevor die Fastenzeit endgültig begann, wurde an diesem Tag noch einmal richtig geschlemmt. Heutzutage gibt's bloß noch Bratwürscht, Bier und Glühwein, wie überall halt.

Oben auf dem Scheiterhaufen wird eine Puppe aus Stroh angebracht, manchmal bekleidet, die ursprünglich Frau Holle als Wintergöttin darstellen soll. Die Göttin Holle wurde bis ins 17. Jh. hinein in Mitteldeutschland verehrt. Das weiß heute kaum noch jemand. Ich habe auch schon an andere Leute gedacht, die auf solchen Feuern verbrannt worden sind, und jedes Jahr gruselt es mich wieder ein wenig. Das Ritual ist wahrscheinlich sehr alt, von vor der Christianisierung bestimmt, weshab die Kirche das Hutzelfeuer auch lange Zeit verboten hat. Erst seit fast Hundert Jahren wird es wieder gefeiert.

Dieses Jahr gab's vorab amtliche Schelte. Die feuchten Haufen wurden oft mit Benzin oder gar Altöl entzündet, und es wurde auch nicht immer so genau drauf geschaut, was da letztendlich alles mit verbrannt wurde. Aber heute sah ich , wie trockene Strohballen zum entzünden herangefahren wurden.

Jetzt haben sich die Jugendlichen in ihren Feuerwehruniformen am unteren Ende unserer Straße versammelt und ziehen mit Fackeln an unserem Haus vorbei hoch zum Feuerplatz. Die Winter"hexe" bringen sie in einer Schubkarre mit. Ich will auch mal beim Entzünden mit dabei sein und muss deshalb jetzt los.

Und am Himmel gab's dazu einen himmlischen Dreier zu sehen: die zunehmende Mondsichel wurde ganz eng von Jupiter und Venus flankiert.

20.9.11

Das fünfte Element

einer der ältesten Bäume Deutschlands: die Linde in Schenklengsfeld
Wir hatten uns eine grade Zahl Teilnehmer gewünscht, und einen Tag vorm Seminar meldete sich eine alte Bekannte an, die wir schon ewig nicht mehr gesehen hatten.