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Heute ist wieder
Hutzelsonntag, der Sonntag nach Aschermittwoch, heute werden bei uns die Winterdämonen mit großen Feuern vertrieben und verbrannt. Seit Wochen schon wurde der Hutzelhaufen von den Jugendlichen der Freiwilligen Feuerwehr aufgeschichtet, etliche Meter ist er nun hoch. In der Hauptsache Baum- und Heckenschnitt und die alten Weihnachtsbäume wurden im Wald und im Dorf gesammelt, aber auch andere Holzabfälle werden mit verbrannt.
Hutzeln sind ursprünglich gedörrte Pflaumen, aber auch sehr alte Frauen mit runzligem Gesicht wurden so genannt. Es gab an diesem Sonntag traditionell die
Huitzelsopp zu essen oder auch
Huitzelkreppel, welche die jungen Leute von den Dorfbewohnern geschenkt bekamen. Bevor die Fastenzeit endgültig begann, wurde an diesem Tag noch einmal richtig geschlemmt. Heutzutage gibt's bloß noch Bratwürscht, Bier und Glühwein, wie überall halt.
Oben auf dem Scheiterhaufen wird eine Puppe aus Stroh angebracht, manchmal bekleidet, die ursprünglich Frau Holle als Wintergöttin darstellen soll. Die Göttin Holle wurde bis ins 17. Jh. hinein in Mitteldeutschland verehrt. Das weiß heute kaum noch jemand. Ich habe auch schon an andere Leute gedacht, die auf solchen Feuern verbrannt worden sind, und jedes Jahr gruselt es mich wieder ein wenig. Das Ritual ist wahrscheinlich sehr alt, von vor der Christianisierung bestimmt, weshab die Kirche das Hutzelfeuer auch lange Zeit verboten hat. Erst seit fast Hundert Jahren wird es wieder gefeiert.
Dieses Jahr gab's vorab amtliche Schelte. Die feuchten Haufen wurden oft mit Benzin oder gar Altöl entzündet, und es wurde auch nicht immer so genau drauf geschaut, was da letztendlich alles mit verbrannt wurde. Aber heute sah ich , wie trockene Strohballen zum entzünden herangefahren wurden.
Jetzt haben sich die Jugendlichen in ihren Feuerwehruniformen am unteren Ende unserer Straße versammelt und ziehen mit Fackeln an unserem Haus vorbei hoch zum Feuerplatz. Die Winter"hexe" bringen sie in einer Schubkarre mit. Ich will auch mal beim Entzünden mit dabei sein und muss deshalb jetzt los.

Und am Himmel gab's dazu einen himmlischen Dreier zu sehen: die zunehmende Mondsichel wurde ganz eng von Jupiter und Venus flankiert.