Mindestens seit 1999, nämlich als wir hierher zogen, kenne ich den Hohlstein. Beim Spazierengehen ums Dorf oder auf Autotouren in der Umgebung ist er immer wieder zu sehen, ein großer, sanft gerundeter, bewaldeter Hügel, zwischen sechs- und siebenhundert Meter hoch. Und obwohl ich mir die Namen der Berge und Hügel ringsherum von Anfang an ziemlich gut merken konnte, hatte ich seinen Namen die ganzen Jahre hindurch immer wieder vergessen, wenn ich ihn sah. Das war schon richtig auffällig, und im letzen Jahr bin ich sehr konzentriert drangegangen, ihn mir endlich einzuprägen, mit Erfolg.
Und erst vorgestern Abend, einen Tag bevor ich ihn im Zuge meiner Etappenwanderung auf dem Hochrhöner Wanderweg überqueren wollte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen – natürlich, das ist ein Holle-Platz! Sofortiges googeln bestätigte meine Annahme. Als ich dann am nächsten Tag tatsächlich dort oben war und auf einer Bank rastete, fand ich den Gipfel nicht, bzw. konnte ihn nicht sehen, obwohl er ganz in der Nähe sein musste – seltsam. Ich schaute auf meine Wanderkarte, wo er eingezeichnet ist, und auf die Wege drum herum, aber ich sah ihn nicht. Ihn suchen wollte ich zu diesem Zeitpunkt nicht, denn ich war ja auf diesem speziellen Wanderweg unterwegs, dessen Streckenverlauf aber grad an dieser Stelle geändert worden war – weitere Verwirrung.
Zwei Tage nach meiner vergeblichen Suche fuhr ich mit dem Auto hoch bis zum Hotel und ging von da an einfach immer bergauf. Nach ca. 500m kam ich an ein großes, von Fichten und Buchen umstandenes und mit einem Weidezaun eingegrenztes Plateau. Auf der einen Seite der Weide wachsen auch große Buchen, und eine riesige Fichte steht ein Stück weiter allein. Sie hat zwei Stämme oder Äste, die aus einer Stelle im Boden heraus wachsen und sehr dick und knorrig sind. Und ganz am Rand der ebenen Fläche, direkt am Stacheldrahtzaun ein großer Stein. Na, der ist auch nicht von allein hier herauf gerollt, war mein erster Gedanke. Zumal es keine anderen von annähernder Größe gibt. Ich ging näher und siehe da, oben hat der Stein eine Vertiefung wie ein Hollestein. Das Wasser, welches sich darin sammelt, gilt als besonders heilsam und Fruchtbarkeit bringend.
Dieser Platz scheint ziemlich vergessen zu sein, denn ich
fand in dem alten Schnee keine anderen Fußspuren als meine. Rasselnd spürte ich
eine mächtige, sanfte Präsenz von etwas wirklich Großem über diesem Platz, und
kurz tauchte eine Frau in einem blauen Leinenkleid auf mit weißer, gestärkter
Haube, wie eine tüchtige Hausverwalterin. Ich dachte, so haben die Menschen,
die hier feierten, sie vielleicht gesehen.
Ich setzte das mitgebrachte Kerzenglas und das rot verpackte Schokoladenei in die schneebedeckte Mulde und weiß, dort bin ich bestimmt nicht zum letzten Mal gewesen.









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