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30.7.15

Schnitterzeit

 
 

Glühwürmchennächte...
 
Schwarze Schatten jäh im Grün -
 
Ein Blatt fällt herab
 
 
Plötzliche Erkenntnis: die scheinbar endlose Sommerseligkeit geht doch einmal zuende.
Dazu fällt mir eine Bauernregel für den 26. Juli ein  "Ist St. Anna erst vorbei, kommt der Morgen kühl herbei."

In diesem Jahr tun die Wettermacher aber so, als hätten sie noch nie von dieser Regel gehört, und die dritte Hitzewelle dieses Sommers geht über unser Land hinweg. Das Korn ist geschnitten, und die Strohrollen liegen gleichmäßig verteilt auf den Stoppelfeldern. Das Grün der Bäume wird matt und dunkel, und manchmal schleichen sich schwarze Schatten hinein und machen die Kontraste schärfer. Das Licht der Sonne erscheint goldener, und rote Beeren leuchten im Gezweig. Hier und da färben sich auch schon die Äpfel.

Mitte August ist traditionell die Sammelzeit für Heilkräuter vorbei. Stattdessen gingen die Frauen hinaus und sammelten einen blühenden Strauß aus bestimmten Pflanzen und ließen ihn segnen, damit er sie und ihre Familien über die dunkle Zeit beschützen sollte. Manchmal wurde etwas davon abgebrochen und als Schutz- und Heilräucherung verwendet. Gerade in diesem Jahr haben junge Frauen aus einem Nachbardorf diesen Brauch wieder belebt.

Die erste Ernte wird eingefahren. Was haben wir schon geerntet? Was ist aus unseren Wünschen und Projekten vom Jahresbeginn geworden? 

11.4.13

Die ersten Blüten



So lange habe ich noch nie auf den Frühling gewartet.

Eines meiner Lieblingsgedichte seit Jahren, Jahrzehnten, ein Haiku, das ich einmal in einem Buch von Osho fand, lautet:

Still sitzen, nichs tun
Der Frühling kommt, und das Gras
wächst ganz von allein

Ich dachte immer, das könnte ich eigentlich ganz gut, aber in diesem Frühjahr war es ganz anders, und ich habe das Stillsitzen nicht mehr ausgehalten, halte es jetzt kaum noch aus, obwohl es seit gestern warm geworden ist. Aber grad regnets, und die Erde freuts.


Zu den Huflattichblüten im Wald fand ich heute Wiesen-Goldsterne, eher seltene Blüten, von denen am Ortsausgang eine kleine Kolonie wächst und jedes Jahr den Blütenreigen auf den Wiesen eröffnet.


Am nächsten Morgen fand W. die ersten Schlüsselblumen am Bach, und am Nachmittag des gleichen Tages waren nicht weit davon diese Buschwindröschen erblüht.

3.4.13

Der zweite Tag - oder die Wiederentdeckung der Langsamkeit

Vergiss nicht:
Das Leben ist kurz
Also brich die Regeln, wenn nötig
Vergib schnell
Küsse bedächtig
Liebe ehrlich
Lebe
Und lasse niemals zu, dass du das Lachen verlernst

Am Morgen gefunden, Verfasser unbekannt, mein Wahlspruch für den heutigen Tag.



Die Vorstellung, trotz der Kälte wieder raus zu gehen, machte mir gute Laune. Alles besser als in der Bude zu hocken und über das Wetter zu schimpfen - und außerdem schien die Sonne. Heute war der Wind sogar noch schneidender als gestern, er brauste und dröhnte in den Wipfeln der Wälder. Ich hatte mich aber wärmer angezogen und fror deshalb nicht ganz so - teilweise trug ich sogar zwei Mützen übereinander. Dafür war's an windgeschützten Stellen richtig schön in der Sonne.

Erste Teepause - der Thermosbecher lockt den Frühling herbei

Ich bin ja an sich schon nicht die Schnellste, und schon gar nicht am Berg. Aber heute brach ich alle Rekorde in Langsamkeit, und häufig blieb ich auch noch stehen um durchzuschnaufen - das kann man einem Wanderpartner gar nicht zumuten, außer meiner Hündin Saba, für uns zwei war's okay. Ich war heute sogar eine Stunde länger unterwegs als gestern und schaffte eine zusätzliche Etappe, die ich mir eigentlich für Morgen vorgenommen hatte. Irgendwie waren die Gelenke besser geschmiert, und die Heilung hat schon begonnen.

Zweite Teepause am Bach im Malerdorf


Hier fiel die Entscheidung: abholen lassen oder doch hoch auf den Berg - ich wagte es. In der Sonne wirbelten winzige, funkelnde Schneekristalle, aber oben war's bewölkt und alles noch richtig winterlich weiß, und ich hab's geschafft!

Die Milseburg werde ich am Schluss der Runde überqueren


10.4.12

Ostara-Spirit


Jetzt ist wirklich Frühling! Die Schlüsseblumen blühen im Wald. Egal ob's noch mal kalt wird oder gar schneit, der Frühling ist in mein Herz gezogen. So intensiv und lange habe ich das noch nie erlebt.

Vor drei Wochen haben wir zur Tag- und Nachtgleiche mit Freunden am Feuer gefeiert, und jetzt ist Ostern mit der Familie gerade vorbei. Vielleicht liegt es daran, dass mir in diesem Jahr Frau Holle als Hüterin der ungeborenen Seelen erschienen ist. Überall sehe ich sie und ihren Frühlingsaspekt Ostara, in jeder Blume und in jeder grünen Blattknospe, in den Vögeln, die Material für ihre Nester suchen und in den quirligen Bächen, die vom Eis befreit sind. Ich spüre sie in der Wärme der Sonne, rieche ihren süßen Blütenduft und höre sie im Jubeln der Vögel.

Die Erde legt ihr grünes Frühlingsgewand an, vom Regen nass und von der Sonne beschienen funkelt es so kostbar wie Smaragd. Von Frau Holle hieß es mancherorts, sie trüge einen grünen Schleier. Und Hildegard von Bingen besang die Grünkraft, oder war ich es, die ein Lied aus ihren Worten machte?

"Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit,
und diese Kraft ist grün.
Aus lichtem Grün sind Himmel und Erde geschaffen
und alle Schönheit der Welt."

24.1.12

Kommen und Gehen


In der Nacht hatte ich einen schönen Traum. Ich träumte, Kali wäre wieder jung und munter, und wir liefen und spielten zusammen im Sonnenschein. Da dachte ich, sie wäre schon in der Nacht gestorben. Aber sie tat erst am nächsten Morgen ihre letzten Atemzüge.

Vierzehn Jahre lang gehörte sie zur Familie und war der beste Hund, den wir je gehabt haben. Vor einer Woche hatte sie sich hingelegt und war nicht mehr aufgestanden, fraß nicht und trank auch nicht mehr. Im Herbst hatte die Tierärztin Krebs bei ihr festgestellt, drei Tumore waren zu fühlen gewesen. Sie bekam homöopathische Spinnengiftspritzen, die das Wachstum der Geschwulste verlangsamen sollten, Schmerzen hatte sie anscheinend keine. Wir hatten trotzdem den Eindruck, dass sie beschlossen hatte zu Sterben.

Vielleicht hatte die Tatsache, dass wir Weihnachten einen neuen kleinen Hund bekamen, damit zu tun. Die beiden schienen sich trotz Altersunterschied gut zu verstehen, obwohl die Kleine manchmal ziemlich wild und anstrengend war. Dann trennten wir sie immer für eine Weile. Möglicherweise wusste Kali uns nun in guten Händen (oder Pfoten) bei ihrer Nachfolgerin und konnte beruhigt gehen.

Nach dem Tod von Kalis Tochter Loba im vergangenen Mai, wollte ich irgendwann wieder einen zweiten Hund. Als ich im November wegen der Spritzen mit ihr bei der Tierärztin war, fragte ich schon beim Hinausgehen aus der Praxis - einer Eingebung folgend - ob sie wüsste, wo es junge Hunde gäbe. Später dachte ich einmal, die Kali hätte mir das eingegeben. Die Tierärztin erzählte auch gleich von einem Wurf im Nachbardorf. Am selben Abend noch riefen die Hundebesitzer an, und schon am nächsten Tag waren wir dort und suchten uns aus dem Wurf unsere Saba aus. Bis sie zu uns kam, dauerte es aber noch einige Wochen.

Kali ist in großer Würde gestorben. Etwas Ähnliches haben wir schon einmal vor vielen Jahren mit einem Kater erlebt. Sie scheinen eine so große Seele zu haben - es ist ein Mysterium.

Nachdem wir Kali der Erde zurückgegeben hatten, sangen wir ein Lied:

Buzzard call you back to the wild land
heron fly you home
Journey to the soul of your own land,
where the mothers wait for your return
heron fly you home.

Und als wir das gesungen hatten, rief der Bussard vom Hungerwald über unseren Köpfen.

7.1.12

Vollmond


Vollmondtrommeln am Montag, den 9. Januar 2012

Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude.
Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht.
Ich handelte und siehe, die Pflicht ward zur Freude. (Tagore)

Das Gedicht von Tagore beschreibt treffend die gegensätzlichen Energien, die an diesem Tage wirksam sind. Der Krebs-Vollmond, welcher im Besonderen das Wohlergehen im Schoß von Familie, Heim und Heimat begünstigt, trifft auf sein Gegenüber, die Steinbocksonne, die ganz im Zeichen von übergeordneter Pflichterfüllung steht. An diesem Tag geht es darum, beides zu integrieren. Der weibliche Krebs-Vollmond lehrt uns, unsere mütterlichen Kräfte der Empfänglichkeit zu fühlen, welche die zeugenden Energien der väterlichen Steinbocksonne aufnehmen und die Vereinigung von Beidem wiederum in die Schöpfung hinein schenken und verteilen und nach außen in die sichtbar materielle Ebene tragen.

Ein Tag der großen Emotionen - halte nicht hinterm Berg mit dem, was in dir vorgeht. Nimm ruhig mal jemanden spontan in den Arm, der Zuwendung oder Trost braucht. Oder sage zu einem besonderen Menschen: „Ich habe dich lieb!“ Dein Mantra für diesen Tag: ich höre auf die Stimme meines Herzens.

Die Vollmondenergie ist im Allgemeinen gut dafür geeignet, laufende Prozesse zum Abschluss zu bringen, um sie daraufhin loszulassen, damit in dem neuen Mondumlauf Platz für Neues entsteht. Und der erste Vollmond im neuen Jahr eignet sich besonders gut dazu, Pläne für das kommende Jahr zu schmieden.

1.10.11

Tanzweg-Haiku

Mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Jahreskreistanz mit dem Thema "Balance" flog mir heute ein Haiku zu: die ersten beiden Zeilen auf dem Hinweg, die letzte auf dem Rückweg.


Im sterbenden Grün
sonnige rote Beeren
flüstern: wir leben