11.6.12

Gewitter im Wald


Zum Glück hatte ich den Schirm mitgenommen. Im Wald fiel mir auf, wie wenig Schnecken es dieses Jahr gibt, vor allem die großen Nacktschnecken sah ich kaum. Es nieselte manchmal ganz sachte, dann wieder nicht, und ich klappte den Schirm auf und zu. Dabei lauschte ich den Stimmen der Waldvögel und war wie immer ganz betört davon.

Plötzlich ein Grollen über unseren Köpfen! Mein schreckhafter Hund machte einen Satz und und lief ein paar Schritte fort, den Schwanz eingeklemmt. Sie ließ sich aber gleich wieder herbeirufen. Etwas später öffneten sich die Tore des Himmels und es strömte wie aus Gießkannen hernieder.

Wieder ein Donnerrollen, noch näher! Die Hündin dachte erneut, sie könnte davor weglaufen, kam aber auch diesmal zurück. Ich ging abseits des Weges, wo große Bäume standen und dachte: Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen. Also suchte ich mir statt einer dicken Eiche eine schlanke Buche und stellte mich drunter. Auf halber Höhe hatte der Baum ringsherum ganz nah am Stamm dichtes Blattwerk gebildet, das wie ein Schirm keinen Tropfen durchließ. Der Hund saß mir auf dem Fuß, so dicht an mein Bein gepresst, dass ich auf dem unebenen, weichen Waldboden nur mit Mühe aufrecht stehen blieb. Die Vögel waren schon seit einiger Zeit verstummt.

Nach einer Weile leuchtete noch ein Blitz, und gleich darauf krachte es richtig! Jetzt fuhr mir auch der Schreck in die Glieder, habe ich doch seit meiner frühesten Kindheit Angst vor Gewitter und die fixe Idee, ich werde mal durch einen Blitzschlag sterben. Aber jetzt doch noch nicht! Gute Gelegenheit, die eigene Standfestigkeit zu testen. Ich rief meine geistigen Verbündeten und machte ihnen klar, dass ich noch einiges vorhätte.

Irgendwann hörte ich einen Vogel singen und wusste, das Gewitter ist vorüber gezogen, und ich bin noch mal davon gekommen.

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