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19.6.15

Mittsommer


Fülle - Freude - Feenzauber

Die Meteorologen machen es sich einfach. Seit einigen Jahren setzen sie den Beginn der Jahreszeiten einfach auf den ersten des jeweiligen Monats. So gesehen hat der Sommer also schon begonnen. So einige schöne Sommertage hatten wir ja auch im April, Mai und Juni.
Ihren höchsten Stand am Himmel erreicht die Sonne aber erst am 21. Juni. In diesem Jahr will ich bewusst nicht dran denken, was danach geschieht, sondern den Sommer mit allen Sinnen genießen als ob’s kein Morgen gäbe. Jetzt ist die Zeit, in der die schönsten Blumen blühen und duften, die Beeren sind reif, die Welt ist grün und bunt. Wer will, bindet sich einen Blüten- oder Eichenlaubkranz und setzt ihn auf. Es ist warm, die jungen Vögel machen ihre ersten Flugübungen, und im Wald spielen die kleinen Füchse - so könnte es immer bleiben.

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ heißt es in einem alten Lied, und genau das tun wir, wenn wir rausgehen ins Freibad oder an den Baggersee, in den Park oder auf die Wiese, Picknicken im Grünen, Gartenfeste feiern und Freiluftveranstaltungen besuchen.

Und der Zauber? Ja, in den kurzen Nächten, wenn es still ist, lassen sich manchmal die kleinen Leute blicken, Gnome und Elfen bei ihren Festen. Aber um die sehen zu können, muss man Farnsamen in den Schuhen tragen und unter einem blühenden Hollerbusch sitzen.

20.4.13

Der neunte Tag - und das grüne Band


Blick nach Thüringen über die ehemalige Grenze

Wieder ein kalter Tag, zwar keine Minusgrade, aber der Wind blies dort oben fast so scharf wie am Anfang. Ich kam an die Thüringische Grenze - hier das "grüne Band Deutschlands" genannt - weil man die Gegend mehr oder weniger sich selbst überlässt.


Was für eine endlose Tristesse...

Eine Weile lief ich auf dem alten Plattenweg an der Deutsch-Deutschen Grenze aus DDR-Tagen. Und während ich so sinnierte, ob man hier wohl Wölfe ansiedeln könnte, und dabei versuchte, ein altes, lange vergessenes Lied zu erinnern und zu singen: "August, der Schäfer hat Wölfe gehört, Wölfe mitten im Mai...", flogen zwei Schwarzstörche ganz in der Nähe auf, so schön und majestätisch.

...ansonsten sind die Thüringer mit Bänken eher sparsam

Dann gings den Horbel rauf, immer rauf und runter durch Buchenwälder um den Horbel rum und zum Schluss zwei gefühlt endlose Kilometer auf einer steilen Asphaltstraße vom Berg runter ins Dörfchen, um mich abholen zu lassen.


Wachturm

17.4.13

Der achte Tag - und der Frühling duftet!



Heute endlich Veilchen. In einem Vorgarten zwar nur, aber geduftet haben sie genauso himmlisch. Und später sah ich tatsächlich noch zwei wilde Blütchen, die sich auf einem Grasweg in eine Mulde duckten. Überhaupt ist der Frühling jetzt nicht nur zu sehen und zu hören, sondern auch zu riechen. Und immer mal wieder Bärlauchduft - kann aber sein, dass es mein Atem war, denn ich hatte zum Frühstück schon welchen gegessen. Eine erste Pestwurzblüte an einem Bach sah ich auch - in Rot.


Das erste Mal kurze Ärmel! So viele erste Male, deshalb nennen die Italiener ihren Frühlig auch Primavera. Von oben betrachtet sind die jungen Getreidefelder echt Smaragdgrün, und ich singe das Lied vom lieben Mai, der endlich auch die Bäume wieder grün machen soll.


Am Anfang so eines Wandertages tun meistens die Beine, Kniee und Füße etwas weh und sind noch steif. Das lässt aber irgendwann nach - bis gegen Ende der Tagesstrecke, dann tut wieder alles weh, und ich werde etwas unleidlich. Aber wer weiß, wie lange ich so etwas überhaupt noch machen kann.


5.4.13

Der vierte Tag - wo sich Fuchs und Rehe "Gute Nacht" sagen



Es war ein trüber Tag, die Wolken hingen tief, die Sicht war schlecht, und es schneite sogar ein bisschen - ausgesprochen ungemütlich. An den bitterkalten Wind hatte man sich fast schon gewöhnt - dank der zwei Mützen und den mittlerweile zwei Thermosbechern mit heißem Gewürztee. Von der Flasche mit dem kalten Wasser hatte ich sowieso nie was getrunken.

Ein vorläufig letzter Blick auf die Harbacher Linde

Ich ging über tief verschneite Waldwege, sah einen Fuchs in der Ferne davon eilen und drei Rehe direkt vor mir den Weg kreuzen. Bei solchem Wetter ist sonst nicht viel los auf den Wanderwegen, da bleibt man unter sich.

Irgendwann fiel es mir auf: es war vollkommen still im Wald! Der April ist doch sonst der Monat, wo die Vögel den meisten Lärm machen, und ich hör besonders gern die im Wald. Aber außer einem ganz gelegentlichen einzelnen Stimmchen gab es keinen Laut, wie im tiefsten Winter.

Wie ist das eigentlich mit der Spiritualität, wenn es an körperliche Grenzen geht? Ist es so wie bei der Maslow-Pyramide, dass erst der Bauch gefüllt und der Körper bequem ist, ehe sich der Geist mit anderen Realitätsebenen befassen mag?

Gestern, auf diesem magischen Hügel mit den Hainbuchen drauf, wollte ich eigentlich den Ortsgeist suchen. Hab es aber bei all dem kalten Wind und der körperlichen Anstrengung glatt "vergessen".

Heute hab ich zum gleichen Zweck sogar ne Rassel eingepackt, fand aber wieder keine richtige Gelegenheit. Aber ich fand eine Krähenfeder, die ich als Gebetsfeder in eine Baumrinde steckte und um Kraft bat. Und da konnte ich endlich singen und sang ein Lied für Himmel und Erde. Danach gings mir richtig gut.

3.7.12

Ein Treffen


Es war nicht das erste und wird auch hoffentlich nicht das letzte gewesen sein - das Treffen vom "Seelenflug", dem Forum für schamanisch Praktizierende, in diesem Jahr mal wieder bei uns. Es hatten sich zwar kurz vor knapp einige Mitschreiber aus verschiedenen Gründen wieder abgemeldet, aber zum Glück hatte ich einige Menschen von hier, die ich seit Längerem oder Kürzerem mehr oder weniger regelmäßig sehe, auch eingeladen, sodass wir eine richtig schöne Gruppe wurden. Die Forenmitglieder kamen von überall her - die am weitesten fahren mussten von der Ostseeinsel Usedom und aus Ostösterreich.


Es gab kein Programm, alles fand sich wie von selbst. Natürlich gehörte ein Feuer dazu und gemeinsames Trommeln, auch Gesang - für mich hätten es gern mehr Lieder sein dürfen. Wir reinigten uns mit Rauch und riefen die Geister. Wir machten eine Exkursion zu einem nahe liegenden Götterberg, hörten einen Gedichtvortrag, segneten ein Auto, genossen ein erlesenes Räucherritual, grillten, tranken Met und Weihrauchschnaps, und zwischendurch gab es viel Zeit zum Austausch und für spontane Rituale. Zum Schluss war ich "high" und meine Verdauung von den ungewohnten Genüssen hinüber.

24.1.12

Kommen und Gehen


In der Nacht hatte ich einen schönen Traum. Ich träumte, Kali wäre wieder jung und munter, und wir liefen und spielten zusammen im Sonnenschein. Da dachte ich, sie wäre schon in der Nacht gestorben. Aber sie tat erst am nächsten Morgen ihre letzten Atemzüge.

Vierzehn Jahre lang gehörte sie zur Familie und war der beste Hund, den wir je gehabt haben. Vor einer Woche hatte sie sich hingelegt und war nicht mehr aufgestanden, fraß nicht und trank auch nicht mehr. Im Herbst hatte die Tierärztin Krebs bei ihr festgestellt, drei Tumore waren zu fühlen gewesen. Sie bekam homöopathische Spinnengiftspritzen, die das Wachstum der Geschwulste verlangsamen sollten, Schmerzen hatte sie anscheinend keine. Wir hatten trotzdem den Eindruck, dass sie beschlossen hatte zu Sterben.

Vielleicht hatte die Tatsache, dass wir Weihnachten einen neuen kleinen Hund bekamen, damit zu tun. Die beiden schienen sich trotz Altersunterschied gut zu verstehen, obwohl die Kleine manchmal ziemlich wild und anstrengend war. Dann trennten wir sie immer für eine Weile. Möglicherweise wusste Kali uns nun in guten Händen (oder Pfoten) bei ihrer Nachfolgerin und konnte beruhigt gehen.

Nach dem Tod von Kalis Tochter Loba im vergangenen Mai, wollte ich irgendwann wieder einen zweiten Hund. Als ich im November wegen der Spritzen mit ihr bei der Tierärztin war, fragte ich schon beim Hinausgehen aus der Praxis - einer Eingebung folgend - ob sie wüsste, wo es junge Hunde gäbe. Später dachte ich einmal, die Kali hätte mir das eingegeben. Die Tierärztin erzählte auch gleich von einem Wurf im Nachbardorf. Am selben Abend noch riefen die Hundebesitzer an, und schon am nächsten Tag waren wir dort und suchten uns aus dem Wurf unsere Saba aus. Bis sie zu uns kam, dauerte es aber noch einige Wochen.

Kali ist in großer Würde gestorben. Etwas Ähnliches haben wir schon einmal vor vielen Jahren mit einem Kater erlebt. Sie scheinen eine so große Seele zu haben - es ist ein Mysterium.

Nachdem wir Kali der Erde zurückgegeben hatten, sangen wir ein Lied:

Buzzard call you back to the wild land
heron fly you home
Journey to the soul of your own land,
where the mothers wait for your return
heron fly you home.

Und als wir das gesungen hatten, rief der Bussard vom Hungerwald über unseren Köpfen.

25.9.11

By Heart


Etwas "by heart" lernen heißt etwas auswendig lernen - mit dem Herzen, das trifft es. Schon immer habe ich mich intuitiv geweigert, die Lieder, die ich bei unseren Zusammenkünften mit den Gruppen singe, in schriftlicher Form weiterzugeben. Ich selber lerne Lieder auch am liebsten von Menschen oder Gruppen, die sie mir häufig genug vorsingen bis ich mitsingen kann. Das Einüben mache ich dann gern während Autofahrten oder Waldgängen so lange, bis mir das Lied ganz vertraut ist. Diese Art des Lernens gehört für mich zu dem Lied dazu, ist sozusagen seine persönliche Geschichte in meinem Leben. Vor kurzem lernte ich ein kleines Lied, welches mir zwei Frauen in einem Speisesaal vor der Kühltheke so lange vorsangen, bis ich es konnte.

So lernte ich auch in diesem Sommer ein anderes wunderschönes, einfaches Lied, welches für mich zu einer richtigen Hymne der Lebensfreude wurde. Ich sang es immer wieder - allein vor mich hin, beim Gehen oder Tun, am Telefon gemeinsam mit meinem Liebsten oder mit anderen Menschen zusammen. Dann lieh mir eine Bekannte ein Buch mit spirituellen Songtexten. Und plötzlich fand ich auf einer der Seiten genau dieses Lied. Ich las den Text, verglich ihn automatisch mit dem, wie ich ihn kannte, und spürte im selben Moment, dass der Zauber des Liedes erloschen war.

Darüber muss ich seitdem immer wieder nachdenken. Meine Überlegungen dazu sind, dass der Verstand, der im Besonderen mit der visuellen Wahrnehmung verknüpft ist, eine große Macht besitzt und ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis dazu. Ich hatte vor mehr als fünfundzwanzig Jahren einen Ausspruch von Lama Anagarika Govinda in ein Zitatebuch geschrieben (und tatsächlich wiedergefunden):

„Wer das Weltgeheimnis erforschen will, der will sich seiner bemächtigen […]; und wessen der Geist sich bemächtigt, das ist unfehlbar entzaubert, und es ist mithin zerstört […].“ Er nennt dieses geistige Bemächtigen auch „rationale Entzauberung“. Große Worte, aber sie treffen ziemlich genau, was ich dabei empfinde.