18.12.11

Inspiration


Zum Wintersonnenwendabend am 21. haben wir ja zum Trommeln und Feiern eingeladen. Es haben sich auch schon einige Menschen dazu angemeldet. Das mit dem Wetter würde schon irgendwie gut gehen, so hofften wir. Leider sagen die Wetterberichte etwas Anderes voraus, nämlich Regen, Regen, Regen.

In dem Falle hatten wir geplant, in den großen Raum zu gehen, aber gefallen hat uns die Vorstellung überhaupt nicht. Was würde dann aus unserem schönen Feuer werden?

Für meinen Ritualbeitrag werde ich Räucherwerk brauchen. Heute machte ich mich ans Mischen und dachte dabei an etwas Weihnachtliches. In einer großen Schüssel mischte ich Lavendel und Rosmarin, Nelken, Piment, Chilis und viele Orangenschalen. Des weiteren kommen noch Rosen- und Holunderblüten, Zimt, Weihrauch und heimische Harze hinein und was mir sonst so im Gewürzschrank und in der Räucherkiste begegnet. Und während ich so ganz selbstvergessen am Mischen und glücklich am Schnuppern bin, da fällt mir ganz plötzlich ein: wir haben ja auch noch eine große überdachteTerrasse! Die liegt vor der Wohnung meiner Mum, und im Winter benutzen wir sie fast nie.

Dort steht auch eine Feuerschale, sodass wir auf kein Fall aufs Feuer verzichten müssen! Was ist mir ein Stein vom Herzen gefallen!

20.11.11

Reise nach Tibet

Kloster Ganden, Lhasa

Die Frage angesichts aller Verwirrung im Trommelkreis war: was soll das, und was kann ich tun? Ich kam zu einem tibetischen Tempel, der in eine graue Felswand hinein gebaut war. Bunte Stoffbahnen flatterten in der kühlen Luft. Drinnen endlose Gänge und Räume, viel bunte Seide und ein gelb bemützter Lama, der scheußlich schmeckenden Buttertee mit mir trank. Er erinnerte mich an das Mantra des blauen Medizinbuddha, welches ich im Sommer lernte. Ich sang es noch während ich trommelte. Er erinnerte mich an den Chöd, das „Dämonen füttern“ von Machig Labdrön, einer tibetischen Nonne aus dem 11. Jahrhundert, welches ich in meine schamanische Praxis integriert habe. Und – ganz wichtig – er erinnerte mich an das Meditieren, was ich schon so lange in meinen Tagesablauf einbinden möchte, zutiefst von seiner Wohltat überzeugt. Aber noch sträubt sich mein rastloser Verstand…











der 100. Ganden Tripa

23.10.11

Seelenkräfte rufen


Es ist übrigens gut gegangen - ich habe sowohl vor der Hinfahrt als auch vor der Rückfahrt meine Seelenkräfte zusammengerufen und brauchte keine Eingewöhnungszeit am Urlaubsort oder hier zu Hause wieder.

Und es lassen sich auch andere Energien rufen. Ich neige zb leider dazu, mich in schwierigen Situationen klein zu machen und mein Selbstwertgefühl herzugeben. Aber auch das lässt sich zurückrufen und wieder herbeisingen. Es ist richtig zu spüren, wie die Kraft zurückkehrt. Probierts aus.

6.10.11

Endlich Herbst!


So habe ich das noch nie gesehen, aber die sommerliche Wärme bis vor zwei Tagen wurde mir zunehmend unheimlich, obwohl ich sie natürlich auch sehr genossen habe.

Die Schwalben sind schon vor einem Monat fortgezogen, und jetzt erst zeigt sich der Herbst von seiner gewohnten Seite. Die Wälder werden langsam ernsthaft bunt, und es wird kälter. Wind treibt die Wolken über den Himmel und steigert sich in gelegentliche Sturmböen hinein. Die ersten Blätter segeln durch die Luft herab, der nächste Windstoß spielt noch einmal mit ihnen und wirbelt sie erneut auf. Dann gibts ein paar kräftige Regengüsse drauf, und alles wird wieder ordentlich sauber gewaschen.

Die Pflaumenbäume sind schon abgeerntet, an der Apfelbäumen hängt es noch.
Ab und an sammle ich mir einen auf - sie schmecken alle anders.

Dunkel wird's - Zeit für die ersten Kerzen. Ich verstehe das erste Mal die Menschen, die meinen, der Herbst wäre ihre Lieblingsjahreszeit.

1.10.11

Tanzweg-Haiku

Mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Jahreskreistanz mit dem Thema "Balance" flog mir heute ein Haiku zu: die ersten beiden Zeilen auf dem Hinweg, die letzte auf dem Rückweg.


Im sterbenden Grün
sonnige rote Beeren
flüstern: wir leben



28.9.11

Was ist eine Rosette?


Na? An was hast du zuerst gedacht? Die Beantwortung dieser Frage sagt möglicherweise etwas über die Generation aus, der du angehörst.

Am vergangenen Wochenende half ich bei einem Umzug. Während einer Kaffeepause im Gärtchen hinterm Haus saß ich mit jüngeren Leuten zusammen -
so um die Dreißig. Am Giebel des alten Fachwerkhäuschens war in der Schieferabdeckung ein Ornament gestaltet, das dem auf dem Foto oben ziemlich ähnlich sah. Ich sprach darüber, wie schön ich das Haus fand und wies in diesem Zusammenhang auch auf die Schieferrosette im Giebel hin.

Zuerst wunderte ich mich über das komische Grinsen und das peinliche Berührtsein meiner Gesprächspartner. Nach einiger Zeit fiel mir aber die andere Erklärung dieses Wortes ein, die ich irgendwann mal auf irgendwelchen dubiosen Internetseiten gelesen hatte. Das führte zu einer interessanten Diskussion über die vielfältige Bedeutung des Wortes, denn die jungen Leute kannten nur die eine.

Später fragte ich noch einige andere Menschen, was sie unter dem Begriff verstehen, und stellte fest, dass das tatsächlich eine Altersfrage zu sein scheint.

Naja, so wirklich schamanisch ist das Thema nicht (ich fand auch keine passenden Label), aber das musste mal raus! ;-)

27.9.11

Seele komplett


Letztens schrieb mir jemand eine nette Mail, in der er ua davon berichtete, dass ihm auf einer langen Reise von Deutschland in sein Zuhause in der Karibik Teile seiner Seele auf der Strecke geblieben waren.

Ich kenne den Zustand ziemlich gut, denn ich verreise gern in andere Länder, und selbst bei Reisen mit dem Auto und dem Schiff passierte mir das regelmäßig. Meistens brauche ich ungefähr eine Woche lang, bis meine Seele wieder komplett ist. Das gilt sowohl für die Ankunft in der Urlaubsgegend als auch für die Heimkehr. In der Zeit fühle ich mich irgendwie nur halb, wie Falschgeld, wie bestellt und nicht abgeholt usw.

Bei unserem Aufenthalt im letzten Jahr auf Elba stand ich bei der Abreise am Heck der Fähre, wie ich das gern tu, und sah der Insel dabei zu, wie sie immer kleiner wurde. Ich dachte an die schöne Zeit dort, die wunderbaren, interessanten Orte, die wir gesehen hatten, und wie wohl ich mich da gefühlt hatte. Und plötzlich dämmerte es mir: so geschieht das also! An jeden dieser Orte hatte ich ein Stück meiner Seele gehängt, "mein Herz verloren", wie ein altertümlicher Ausdruck dafür lautet. Sofort ging ich in eine leichte Trance und rief sehr konzentriert alle meine Seelenteile wieder zu mir. Ich erklärte ihnen, dass ich sie brauche und stellte mir vor, wie sie sich von den schönen Plätzen lösten und zu mir zurückgeflogen kamen.

Und es hat tatsächlich funktioniert, denn wieder zu Hause angekommen war ich sofort ganz da und brauchte keine Woche zum allmählichen Ankommen.

In zehn Tagen werde ich es anders herum auch mal probieren: bei der Abfahrt - es geht wieder nach Elba - werde ich alle meine Seelenteile, die dann noch hier im Haus und in der Gegend und bei meiner Familie, Freunden und Projekten "rumhängen", zu mir rufen und gleich mitnehmen.

26.9.11

20:30 SH


So stand's unter dem heutigen Datum mit Bleistift in meinem Terminkalender geschrieben. Schon seit Tagen zermartere ich mir den Kopf, was das wohl für ein Termin sein könnte. Ich fragte sogar meinen Liebsten, aber der hatte auch keinen Schimmer.

Und heute, bei der Durchsicht meiner alten Mails, löste sich das Rätsel: SH steht für Schamanische Hilfe, bei der wir heute zum ersten Mal mitmachen. Um 20:30 ist der Termin, zu dem eine weit verstreut lebende Gruppe von Menschen für ein Thema trommelt, bei dem es darum geht, wie man auf Schamanische Art Hilfe leisten kann. Heute geht es um das Geld, die Kapitalmärkte, die Krise, um Unterstützung für die Betroffenen und die Möglichkeit der Unabhängigkeit.

Wer da auch mitmachen möchte - immer am letzten Montag im Monat um 20:30 - fragt bei mir nach, und ich leite das weiter.

25.9.11

By Heart


Etwas "by heart" lernen heißt etwas auswendig lernen - mit dem Herzen, das trifft es. Schon immer habe ich mich intuitiv geweigert, die Lieder, die ich bei unseren Zusammenkünften mit den Gruppen singe, in schriftlicher Form weiterzugeben. Ich selber lerne Lieder auch am liebsten von Menschen oder Gruppen, die sie mir häufig genug vorsingen bis ich mitsingen kann. Das Einüben mache ich dann gern während Autofahrten oder Waldgängen so lange, bis mir das Lied ganz vertraut ist. Diese Art des Lernens gehört für mich zu dem Lied dazu, ist sozusagen seine persönliche Geschichte in meinem Leben. Vor kurzem lernte ich ein kleines Lied, welches mir zwei Frauen in einem Speisesaal vor der Kühltheke so lange vorsangen, bis ich es konnte.

So lernte ich auch in diesem Sommer ein anderes wunderschönes, einfaches Lied, welches für mich zu einer richtigen Hymne der Lebensfreude wurde. Ich sang es immer wieder - allein vor mich hin, beim Gehen oder Tun, am Telefon gemeinsam mit meinem Liebsten oder mit anderen Menschen zusammen. Dann lieh mir eine Bekannte ein Buch mit spirituellen Songtexten. Und plötzlich fand ich auf einer der Seiten genau dieses Lied. Ich las den Text, verglich ihn automatisch mit dem, wie ich ihn kannte, und spürte im selben Moment, dass der Zauber des Liedes erloschen war.

Darüber muss ich seitdem immer wieder nachdenken. Meine Überlegungen dazu sind, dass der Verstand, der im Besonderen mit der visuellen Wahrnehmung verknüpft ist, eine große Macht besitzt und ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis dazu. Ich hatte vor mehr als fünfundzwanzig Jahren einen Ausspruch von Lama Anagarika Govinda in ein Zitatebuch geschrieben (und tatsächlich wiedergefunden):

„Wer das Weltgeheimnis erforschen will, der will sich seiner bemächtigen […]; und wessen der Geist sich bemächtigt, das ist unfehlbar entzaubert, und es ist mithin zerstört […].“ Er nennt dieses geistige Bemächtigen auch „rationale Entzauberung“. Große Worte, aber sie treffen ziemlich genau, was ich dabei empfinde.

23.9.11

Psychopompos


Gestern bin ich auf einer Trauerfeier gewesen. Wie üblich habe ich nach der Seele der Verstorbenen geschaut. Sie war auch wirklich da, was durchaus nicht immer der Fall ist. Ich fragte sie, ob ich sie an ihren guten Platz begleiten dürfte. Sie stimmte zu, und wir machten uns gemeinsam auf den Weg.

Dort angekommen - an einem sehr lichten Ort - wo ich die Seelen immer den Wesen übergebe, die an diesem Ort sind, ging es ans Verabschieden. Zu Lebzeiten hatten wir beide keine so herzliche Verbindung, aber in diesem letzten gemeinsamen Moment ging mein Herz auf, und ich hatte ich den Eindruck, wir hätten mehr füreinander bedeuten können, wenn wir uns die Mühe gemacht hätten.

Der Verstand sagt: "Pah! Wunschdenken." Aber das Herz weiß es besser.

20.9.11

Das fünfte Element

einer der ältesten Bäume Deutschlands: die Linde in Schenklengsfeld
Wir hatten uns eine grade Zahl Teilnehmer gewünscht, und einen Tag vorm Seminar meldete sich eine alte Bekannte an, die wir schon ewig nicht mehr gesehen hatten.

15.9.11

Neues im Bunten Haus

Heute Nachmittag hatte ich im Halbschlaf in der Sonne auf dem Balkon die Vision, einen Blog über unsere Schamanische Arbeit zu machen. Voila! Hier ist er.

Am vergangenen Montag legten wir hinten im wilden Teil unseres Gartens eine neue Feuerstelle an. Sie ist bestimmt doppelt so groß und doppelt so tief wie die alte, fast erschien sie uns ein wenig zu protzig. Aber abends beim Vollmondtrommeln am Feuer waren wir zu Zwölft. Also, think big! Das Feuer brannte wunderbar, und keiner musste während dem einstündigen Trommeln aufstehen und Holz nachlegen. Der volle Mond ging wunderprächtig hinterm Wald auf, bevor er sich später in sein wolkiges Nachtgewand hüllte.

Die neue Feuerstelle liegt genau auf der Nord-Süd Achse unseres Medizinrades, das wir vor zweieinhalb Wochen bauten, und ist auf eine Weise mit diesem verbunden, die ich noch nicht so genau benennen kann. Es fühlt sich bloß gut und richtig an.

Meine Sednatrommel sprach an diesem Abend zu mir über Freundschaft. Wie sich Freundschaft anfühlt und was dafür getan werden muss. Ein Thema, über das ich noch einiges lernen möchte. Und sie wollte einen Platz an der Wand über meiner Schlafstatt haben und ein neues blaues "Kleid" statt dem alten weißen.