18.4.13

Hollekäfer



Heute beim Hollestein: der Winter war fort, und grad als ich mich mit einem Kuss vom Stein verabschieden wollte, da sah ich den Kleinen, einen veritablen Siebenpunkt. Ich hatte mit bloßen Händen Blätter und Erde aus der Vertiefung des Steins gekratzt und den Käfer wohl dabei aus seinem Winterquartier aufgescheucht - ein Gruß?

17.4.13

Der achte Tag - und der Frühling duftet!



Heute endlich Veilchen. In einem Vorgarten zwar nur, aber geduftet haben sie genauso himmlisch. Und später sah ich tatsächlich noch zwei wilde Blütchen, die sich auf einem Grasweg in eine Mulde duckten. Überhaupt ist der Frühling jetzt nicht nur zu sehen und zu hören, sondern auch zu riechen. Und immer mal wieder Bärlauchduft - kann aber sein, dass es mein Atem war, denn ich hatte zum Frühstück schon welchen gegessen. Eine erste Pestwurzblüte an einem Bach sah ich auch - in Rot.


Das erste Mal kurze Ärmel! So viele erste Male, deshalb nennen die Italiener ihren Frühlig auch Primavera. Von oben betrachtet sind die jungen Getreidefelder echt Smaragdgrün, und ich singe das Lied vom lieben Mai, der endlich auch die Bäume wieder grün machen soll.


Am Anfang so eines Wandertages tun meistens die Beine, Kniee und Füße etwas weh und sind noch steif. Das lässt aber irgendwann nach - bis gegen Ende der Tagesstrecke, dann tut wieder alles weh, und ich werde etwas unleidlich. Aber wer weiß, wie lange ich so etwas überhaupt noch machen kann.


14.4.13

Der siebte Tag - und ein Hunde"schlitten"


Rückenlehne einer Hochrhöner-Bank

Sonntag. Als erstes begegnete mir ein Gefährt aus Metallrohren auf Rädern, das von zehn Hunden gezogen wurde. Der Mann bog zwar vom Weg ab und fuhr über die Wiese, aber die Hunde blieben trotzdem stehen und guckten nach Saba, die außerdem auch noch läufig ist. Mit einiger Mühe und der Hilfe seines kleinen Sohnes kriegte er sein Gespann aber wieder in die Spur. Gewundert habe ich mich darüber, dass die Hunde kaum größer oder kräftiger aussahen als Saba, also eher schmal und zierlich.


Habe an verschiedenen Stellen frisches, glänzendes Sternmoos gesehen und einmal einen Zitronenfalter. Ein oranger Schmetterling, flog zu schnell vorbei, als dass ich ihn hätte erkennen können. Ich sah Buschwindröschen, Huflattich und Schlüsselblumen und hörte ein Vogelkonzert mit Specht-Percussion. Ein paar winzige Schneeflecken gab es nur noch, dafür war der Boden feucht und aufgeweicht.

Unten liegt Habel

Der Habelstein! Hoch aufragende Basaltene Vulkanschlote und tiefe Schluchten am Hang des Habelberges, ein gewaltiger Ort. Ein bisschen wurden mir die Kniee weich, so steil und tief ging es da hinunter. Hab auch den Habelmann getroffen, eine Gestalt aus schwarzem Basalt, drei bis vier Meter groß und erstaunlich behende. Und viele kleine Steinwesen wuselten da herum. Ich fand das im ersten Moment seltsam, wie lebendig Steine sind.


11.4.13

Die ersten Blüten



So lange habe ich noch nie auf den Frühling gewartet.

Eines meiner Lieblingsgedichte seit Jahren, Jahrzehnten, ein Haiku, das ich einmal in einem Buch von Osho fand, lautet:

Still sitzen, nichs tun
Der Frühling kommt, und das Gras
wächst ganz von allein

Ich dachte immer, das könnte ich eigentlich ganz gut, aber in diesem Frühjahr war es ganz anders, und ich habe das Stillsitzen nicht mehr ausgehalten, halte es jetzt kaum noch aus, obwohl es seit gestern warm geworden ist. Aber grad regnets, und die Erde freuts.


Zu den Huflattichblüten im Wald fand ich heute Wiesen-Goldsterne, eher seltene Blüten, von denen am Ortsausgang eine kleine Kolonie wächst und jedes Jahr den Blütenreigen auf den Wiesen eröffnet.


Am nächsten Morgen fand W. die ersten Schlüsselblumen am Bach, und am Nachmittag des gleichen Tages waren nicht weit davon diese Buschwindröschen erblüht.

9.4.13

Kleine Sonnen





Huflattichblüten sehen aus wie kleine, intensiv gelbe Sonnen, so wie Kinder sie malen – und manchmal auch Große. Ich war heute im Wald oberhalb des Dorfes und hielt nach Veilchen Ausschau. Stattdessen fand ich ganz überraschend an vielen Stellen am Wegesrand größere Ansammlungen von strahlenden Huflattichblüten, die ersten wilden Blüten in diesem späten Frühjahr.

Sie erschienen mir bei längerer Betrachtung wie eine Gestalt gewordene Liebeserklärung der Erde und des Lebens an die Sonne. Ich nahm ein paar mit, von jeder Gruppe eine Blüte, und koche uns heute Abend einen Tee damit, denn meinen Husten bin ich auch noch immer nicht ganz los.

8.4.13

Der sechste Tag


An der Grenze zu Thüringen - noch voll motiviert


Heute war der Wurm drin. Es ist zwar ein paar Grad wärmer  geworden, aber oben in der Rhön blies immer noch der kalte Wind, und in den Wäldern lag der Schnee. Die Sonne war von Wolkenschleiern verdeckt und wärmte kaum. Dafür hatte ich mich nicht warm genug angezogen.


Mit sich selbst verwachsener Baum - Birke? Holunder?


Außerdem hatte ich meine Glücksmütze vergessen und wickelte mir W.'s Schal um den Kopf. Es ging fast nur bergauf und beim zweiten Mal Nasenbluten rief ich an, um abgeholt zu werden.


Am Rastplatz "Ahorn Platz"


Für die nächsten Tage ist Regen angesagt, und ich werde eine Pause machen.


Land der offenen Fernen - Aussicht auf Wasskuppe und Milseburg

7.4.13

Der fünfte Tag - endlich wieder Sonne!




Sonntag. Aus frostigem Nebelreif am Morgen entwickelte sich ein Frühlingstag, die Dächer dampften. Auf dem Weg erwartete ich jeden Moment, einen Zitronenfalter im Wald zu sehen oder ein Veilchen im Gebüsch, aber das Einzige, was ich fand, waren zwei zerknautschte Gänseblümchen. Der Wind wehte nicht mehr ganz so scharf, und auf manchen Bänken war es so warm wie sonst nur auf unserem Balkon. Schnee sah ich wenig, denn ich war hauptsächlich an Südhängen unterwegs.

Wenn auch kein Vogelkonzert, so hörte ich doch ab und zu einen Vogel singen und blieb jedes Mal stehen, um andächtig zu lauschen. Einmal klopfte ein Specht, und ein andermal kam ein Feldhase über den Acker auf uns zugehoppelt. Erst als ich Saba zu mir rief, machte er kehrt und sich davon.

Heute ging es hauptsächlichbergauf. Das war anstrengender, und obwohl Sonntag war, sah ich wieder kaum andere Wanderer. Zum Schluss kam ich an die Grenze zu Thüringen, es war aber kaum noch etwas von der alten Demarkationslinie zu sehen.

Leider hat sich der Verschluss von meinem Kameraobjektiv heute verklemmt, deshalb gibt's nicht mehr Fotos.