9.11.12

Zwergengeschichten


Seit diesem Sommer kann ich sie plötzlich sehen, die Zwerge. Ich weiß nicht mehr so genau, wann das passierte, aber es hatte damit zu tun, dass ich schon lange die Idee hatte, ein Seminar über Naturgeister anzubieten, ohne je selber eines besucht zu haben. Während der Vorbereitungszeit nahm ich bewusst Kontakt zu verschiedenen Naturwesenheiten auf, Zwerge waren jedoch keine darunter gewesen, aber auf einmal waren sie trotzdem bei mir, das kleine Volk, und ich fand es zunächst sehr seltsam.



Seitdem kann ich viele von ihnen ständig um mich herum sehen, ungefähr von Handgröße, in bräunlichen Farbtönen, mit spitzen Mützen wuseln sie vor mir auf dem Boden, sodass ich schon mehr als einmal dachte: hoffentlich trete ich nicht mal auf einen! Das ist natürlich Quatsch, denn sie sind ja nicht aus Materie, sondern bestehen aus sichtbar gewordener Energie.


Einmal erzählten sie mir, dass sie auch in mir und in jedem anderen Wesen tätig sind und dort ihre aufbauenden und ordnenden Arbeiten verrichten, die Vorstellung gefiel mir. Manchmal gehe ich in die „Zwergenschule“ und erhalte Informationen und Unterweisungen, die nur sie mir geben können. 


Wie ich erst später begriff, repräsentieren sie die Wachstumsenergie der Erde, verbunden mit den Kräften der Sonne und des Kosmos. Und vor einigen Tagen fiel es mir wie Schuppen von den Augen: beim Betrachten einer Quarzkristallstufe kann man sie ganz genau erkennen, denn dort haben sie sich selber abgebildet und in ihrer Arbeit sichtbar gemacht – kleine Wesen mit spitzen Kappen. Aber auch auf einer Wiese zum Beispiel sind sie in den aufschießenden grünen Halmen und Stängeln gut zu erkennen. Mittlerweile betrachte ich die Welt mit ganz anderen Augen, erkenne überall ihr Wirken.


In einem der wenigen Bücher, die ich zur Vorbereitung auf das Thema Naturgeister las, war eine Anleitung zum Herstellen von Zwergen, und ich wusste sofort: das muss ich tun, es ist wie eine Aufgabe, die sie mir stellen. Also stricke ich seit einem Vierteljahr Zwerge. Den ersten verschenkte ich spontan an den kleinen Jungen, für den wir im Sommer eine Kinderweihe gemacht hatten. Die nächsten zwei – Himpelchen und Pimpelchen - bekam unsere Enkelin zum zweiten Geburtstag. Den vierten bekam eine liebe Freundin, die auf eine weite Reise ging, und den fünften bekam meine Mutter als Dank für den ersten Zwerg, den sie mir schenkte, als ich drei Jahre alt war.


Weitere sind entstanden: ein Kastanienzwerg für unseren Enkel, ein Hagebuttenzwerg für meine jüngere Tochter, ein Herbstzwerg für einen anderen kleinen Jungen, ein Sardischer Strandwichtel fürs Auto, ein Erdzwerg und ein bartloser Zwerg für das neu gebaute Haus einer anderen Freundin. Mittlerweile sind es elf, und es werden noch viele mehr werden.




3.7.12

Ein Treffen


Es war nicht das erste und wird auch hoffentlich nicht das letzte gewesen sein - das Treffen vom "Seelenflug", dem Forum für schamanisch Praktizierende, in diesem Jahr mal wieder bei uns. Es hatten sich zwar kurz vor knapp einige Mitschreiber aus verschiedenen Gründen wieder abgemeldet, aber zum Glück hatte ich einige Menschen von hier, die ich seit Längerem oder Kürzerem mehr oder weniger regelmäßig sehe, auch eingeladen, sodass wir eine richtig schöne Gruppe wurden. Die Forenmitglieder kamen von überall her - die am weitesten fahren mussten von der Ostseeinsel Usedom und aus Ostösterreich.


Es gab kein Programm, alles fand sich wie von selbst. Natürlich gehörte ein Feuer dazu und gemeinsames Trommeln, auch Gesang - für mich hätten es gern mehr Lieder sein dürfen. Wir reinigten uns mit Rauch und riefen die Geister. Wir machten eine Exkursion zu einem nahe liegenden Götterberg, hörten einen Gedichtvortrag, segneten ein Auto, genossen ein erlesenes Räucherritual, grillten, tranken Met und Weihrauchschnaps, und zwischendurch gab es viel Zeit zum Austausch und für spontane Rituale. Zum Schluss war ich "high" und meine Verdauung von den ungewohnten Genüssen hinüber.

17.6.12

Ein Wunschritual




Letztens beim Heilkreis ein Wunschritual für alle:

Bei körperlichen Beschwerden, in Liebesdingen, auf Arbeitssuche, bei Geldproblemen usw. den Wunsch auf einen Zettel schreiben und diesen zusammen mit Pflanzerde in einen großen Blumentopf füllen (die Töpfe auf dem Foto sind ca 30 cm hoch). Drei Bohnen säen und 14 Tage lang jeden Tag gießen, danach nach Bedarf.

Die Bohnen werden beim Wachsen den Wunsch hinaustragen, damit er erfüllt werden kann.

Das erinnert mich an das Märchen von Jack und der Bohnenstengel, in dem ein eigenwilliger Junge an den Ranken von Zauberbohnen in den Himmel klettert und dort viele gute Dinge findet, mit denen er auf die Erde zurückkehrt.

Und wer keinen Garten oder Balkon sein eigen nennt, der kann die Bohnen auch an einer Hauswand, in einer abgelegenen Ecke eines Parks oder draußen im Wald auf einer Lichtung pflanzen. Es müssen auch keine Stangenbohnen sein, alle Sorten sind möglich. Wichtig ist, dass in den ersten 14 Tagen wirklich täglich gegossen wird.

11.6.12

Gewitter im Wald


Zum Glück hatte ich den Schirm mitgenommen. Im Wald fiel mir auf, wie wenig Schnecken es dieses Jahr gibt, vor allem die großen Nacktschnecken sah ich kaum. Es nieselte manchmal ganz sachte, dann wieder nicht, und ich klappte den Schirm auf und zu. Dabei lauschte ich den Stimmen der Waldvögel und war wie immer ganz betört davon.

Plötzlich ein Grollen über unseren Köpfen! Mein schreckhafter Hund machte einen Satz und und lief ein paar Schritte fort, den Schwanz eingeklemmt. Sie ließ sich aber gleich wieder herbeirufen. Etwas später öffneten sich die Tore des Himmels und es strömte wie aus Gießkannen hernieder.

Wieder ein Donnerrollen, noch näher! Die Hündin dachte erneut, sie könnte davor weglaufen, kam aber auch diesmal zurück. Ich ging abseits des Weges, wo große Bäume standen und dachte: Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen. Also suchte ich mir statt einer dicken Eiche eine schlanke Buche und stellte mich drunter. Auf halber Höhe hatte der Baum ringsherum ganz nah am Stamm dichtes Blattwerk gebildet, das wie ein Schirm keinen Tropfen durchließ. Der Hund saß mir auf dem Fuß, so dicht an mein Bein gepresst, dass ich auf dem unebenen, weichen Waldboden nur mit Mühe aufrecht stehen blieb. Die Vögel waren schon seit einiger Zeit verstummt.

Nach einer Weile leuchtete noch ein Blitz, und gleich darauf krachte es richtig! Jetzt fuhr mir auch der Schreck in die Glieder, habe ich doch seit meiner frühesten Kindheit Angst vor Gewitter und die fixe Idee, ich werde mal durch einen Blitzschlag sterben. Aber jetzt doch noch nicht! Gute Gelegenheit, die eigene Standfestigkeit zu testen. Ich rief meine geistigen Verbündeten und machte ihnen klar, dass ich noch einiges vorhätte.

Irgendwann hörte ich einen Vogel singen und wusste, das Gewitter ist vorüber gezogen, und ich bin noch mal davon gekommen.

9.5.12

Die Schöllkrautdeva


Vor 13 Jahren zogen wir in dieses Haus, und gleich im ersten Frühjahr staunte ich über das Schöllkraut, das üppig in unserem Eingangsbereich wächst. Diese Pflanze hatte ich vorher gar nicht gekannt, und spätestens seit Storl weiß man ja, dass die Kräuter in Hausnähe etwas mit einem selber zu tun haben. Doch bei meinen Nachforschungen fand ich nichts, was auf einen von den Bewohnern hier zutreffen könnte, außer dass in unserem Garten und ringsherum jedes Jahr viele Schwalben herum fliegen. (Die bot. Bezeichnung lautet chelidonium majus, griech.: chelidon = Schwalbe.)

In diesem Frühjahr traf ich eine Frau, die mir erzählte, dass Maria Treben einiges über das Kraut zusammen getragen hat und seine Leberwirksamkeit hervorhob. Also beschloss ich endlich, zum Geist des Schöllkrauts zu reisen. Zuerst erschien ein keiner, spitziger Gnom, der in das etwas blasse Gelbgrün und leuchtende Gelb der Pflanze gekleidet war. Leider sah er gar nicht freundlich aus, und ich misstraute ihm zutiefst. Erst als eine Menge Schwalben heran geflogen kamen und sich auf ihn setzten, änderte sich das.

Und im gleichen Moment erschien eine Wesenheit, oder hatte sich der Gnom in sie verwandelt? Die war so riesig, dass sie mein gesamtes Blickfeld ausfüllte, oder war ich geschrumpft? Grün und Gelb das wehende Gewand, das Gesicht nicht zu erkennen, teilte sie mir mit, die Hüterin unseres Hauses zu sein. Ich sollte an jede Pflanze in unserer Einfahrt ein rotes Bonbon legen. Außerem erfuhr ich noch etwas über eine Zubereitung mit Alkohol - ich dachte zunächst an eine Tinktur - doch dann fand ich ein Rezept, in dem die ganze Pflanze mitsamt der Wurzel zerkleinert und mit Weißwein übergossen wird. Das werde ich mal probieren.

1.5.12

Tanzende Pflanzengeister



Am Wochenende waren an zwei verschiedenen Tagen zwei Frauen da und erzählten uns etwas über „Grüne Smoothies“. Frisch gesammelte Kräuter werden mit etwas Wasser im Mixer püriert und danach durch einen Nylonstrumpf abgesiebt und ausgepresst.

Da der Frühling voll im Gange ist und ich noch immer von Zubereitungen mit Wildkräutern begeistert bin, habe ich das gestern gleich ausprobiert. Ich fand tatsächlich noch eine uralte Nylonsocke in den Tiefen meines Kleiderschranks. Dann wilde Kräuter auf die Schnelle im Garten gesucht, gemixt, gepresst, getrunken… na ja. Es hat eindeutig besser geduftet als geschmeckt.

Heute dann der zweite Versuch. Fachmännisch vom Mann an meiner Seite beim Spaziergang gesammelt, kamen heute zusammen: Löwenzahnblüten und -blätter, Wiesenschaumkrautblüten, Schafgarbe, Brennnessel, Bärlauch, Giersch, Labkraut, Brunnenkresse, Taubnessel, Gundelrebe, Knoblauchrauke, Wiesenkerbel und Sauerampfer – ein paar andere vielleicht noch vergessen. Es schmeckte pur schon besser als gestern, aber heute wollte ich dem Ganzen noch etwas mehr Würze verleihen. Deshalb mixte ich Zwiebel, Chili, Zitronensaft und Sojasoße dazu. Das schmeckte super, und gleich nachdem wir unser Glas geleert hatten, sahen wir tanzende und lachende Pflanzengeister um uns. Nein, wir hatten wirklich nichts Hochprozentiges dazugemixt!

Morgen werde ich die Kräutermischung nicht absieben, sondern die Festbestandteile mittrinken. In den Zellwänden wohnen bestimmt noch jede Menge weiterer hilfreicher Spirits. Im Internet gibt’s auch Rezepte, da kann man dann alle möglichen Gemüse, Früchte und Nüsse dazumixen, aber ich bleibe erstmal lieber bei den Wildkräutern.

Grüne Grüße zum 1. Mai und ein wildes, fröhliches Beltanefest!

10.4.12

Ostara-Spirit


Jetzt ist wirklich Frühling! Die Schlüsseblumen blühen im Wald. Egal ob's noch mal kalt wird oder gar schneit, der Frühling ist in mein Herz gezogen. So intensiv und lange habe ich das noch nie erlebt.

Vor drei Wochen haben wir zur Tag- und Nachtgleiche mit Freunden am Feuer gefeiert, und jetzt ist Ostern mit der Familie gerade vorbei. Vielleicht liegt es daran, dass mir in diesem Jahr Frau Holle als Hüterin der ungeborenen Seelen erschienen ist. Überall sehe ich sie und ihren Frühlingsaspekt Ostara, in jeder Blume und in jeder grünen Blattknospe, in den Vögeln, die Material für ihre Nester suchen und in den quirligen Bächen, die vom Eis befreit sind. Ich spüre sie in der Wärme der Sonne, rieche ihren süßen Blütenduft und höre sie im Jubeln der Vögel.

Die Erde legt ihr grünes Frühlingsgewand an, vom Regen nass und von der Sonne beschienen funkelt es so kostbar wie Smaragd. Von Frau Holle hieß es mancherorts, sie trüge einen grünen Schleier. Und Hildegard von Bingen besang die Grünkraft, oder war ich es, die ein Lied aus ihren Worten machte?

"Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit,
und diese Kraft ist grün.
Aus lichtem Grün sind Himmel und Erde geschaffen
und alle Schönheit der Welt."