21.3.15

Frühlingsfest

      So wie der Bär in dieser Zeit seine Entschlackungs- und Verjüngungskräuter sucht, machen wir es auch. Die Bahn der Sonne steigt täglich höher, und jetzt sind Tag und Nacht wieder gleich lang. Irgendwann streift der Bär seinen Pelz ab und zeigt sich uns als das, was er ist: der goldene Sonnenprinz! Er nimmt immer mehr an Kraft zu und mit ihm unsere Freude über die Wärme, das Grün und das Blühen.

      Schneeweißchen in ihrem weißen Kleid, die Frühlingsgöttin, gesellt sich dazu als seine Braut und schüttet aus ihrem Füllhorn die ersten grünen Triebe und gelbe und weiße Blüten.

2.2.15

Lichtmess

 
Um die Lichtmesszeit wird der Bär in seiner unterirdischen Höhle unruhig und erwacht aus seiner Winterruhe. Er erhebt sich gemächlich und schaut blinzelnd aus seinem Eingang ins Freie. Scheint dann die Sonne, so zieht er sich gleich wieder in seinen Bau zurück und schläft noch weitere sechs Wochen, denn er weiß, dass der Winter noch so lange dauern wird. Ist es dagegen trüb, so kommt er heraus und beginnt nach den ersten Kräutern zu suchen. Dann ist die kälteste Zeit zu Ende. Da es bei uns schon lange keine wilden Bären mehr gibt, hat der Dachs, ein kleiner Verwandter von ihm, diese Aufgabe übernommen.
 
Merklich länger sind die Tage seit dem Mittwinterfest geworden, und wir haben schon einen Specht im Wald klopfen gehört, Mücken in der Sonne tanzen sehen, und morgens zwitschern die Vögel wieder. Bald beginnt das närrische Winteraustreiben, und dann leuchten in der Rhön die Hutzelfeuer auf den Hügeln. Es ist eine Zeit des Loslassens von Altem und eine Gelegenheit zur Reinigung, mit welcher der Neubeginn anfängt. Das Fest kennzeichnet den Übergang vom tiefsten Winter zum Frühlingsbeginn.
 
Die Alten gingen in die Gärten und klopften an die Bäume, um sie zu wecken, denn jetzt fangen die Säfte der Bäume wieder an zu steigen, und alles Starre muss sich lösen. Und wir wollen dieses Jahr Kerzen für besondere Anlässe weihen.

22.12.14

Wintersonnenwende



Das Mittwinterfest feiern die Menschen in Mitteleuropa schon viele Tausend Jahre lang, was anhand von steinernen und hölzernen, kreisförmigen Sonnenobservatorien abgelesen werden kann. Vermutlich feierten es unsere Vorfahren bereits, seitdem sie begonnen hatten, sesshaft zu werden, Pflanzen anzubauen und vom Klima abhängig zu sein. Welche Freude, wenn die Zeit der Dunkelheit bald zu Ende geht und in der längsten Nacht das Lichtkind (wieder)geboren wird! Die Sonne steigt erneut auf ihrer Bahn und nimmt Tag für Tag an Kraft zu. Doch bevor es wieder wärmer wird, übernehmen Väterchen Frost und die Winterriesen die Herrschaft, und es wird noch mal richtig kalt.
 
Der „Grüne Mann“, der Herr der Wälder und der grünen Pflanzen hat sich mit seiner Kraft in die immergrünen Nadelbäume zurückgezogen. Deshalb tut es gut, sich etwas von diesen Zweigen und Bäumen ins Haus zu holen und aus ihnen Hoffnung auf das nächste Frühjahr zu schöpfen. Und es ist gut, viele Lichter zu entzünden, sowohl äußere als auch innere, um sich an das Licht und die Wärme der Sonne zu erinnern. Innere Lichter leuchten besonders hell, wenn man liebt und anderen eine Freude macht, daher wohl die Tradition des Schenkens.

1.11.14

Das Ahnenfest



November ist Ahnenzeit. Pflanzen und Bäume ziehen ihre Lebenssäfte in die Wurzeln zurück und lassen sie den Winter über tief in der Erde zur Ruhe kommen. Die Blätter welken, werden zuerst gelb, manche rot und dann braun, bis sie sich schließlich ganz lösen und zu Boden fallen. Nur was verholzt ist, bleibt stehen. Oberhalb der Erde sieht es nach dem ersten Frost so aus, als ob die Vegetation gestorben wäre. Die verwelkten Pflanzenteile und Blätter bilden einen Teppich, der die Erde zudeckt und vor der Kälte schützt. Die Tage werden weiterhin kürzer, und Nebel lässt die Konturen verschwinden. Die Vögel singen nicht mehr, und viele Tiere haben sich verkrochen, um Winterruhe zu halten. 
 
Wir tun es ihnen gleich, ziehen uns in die Häuser zurück, und beschäftigen uns mehr und mehr mit innerlichen Angelegenheiten. Es ist eine gute Zeit, um sich an seine Wurzeln zu erinnern und derer zu gedenken, die vor uns da waren und denen wir unser Dasein auf der Erde zu verdanken haben. Man sagt, die Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten werden jetzt dünner, und Kontakte sind leichter möglich. Es tut gut, sich mit den Ahnen zu verbinden. Und wer sich ihnen mit Dank aber auch mit Bitten zuwendet, kann die Erfahrung machen, dass sie uns generell freundlich gesonnen sind und gerne helfen.

10.8.13

Schnitterzeit und unsere Nord-Ost-Reise






An den Straßenrändern in Thüringen wuchsen die Kirschbäume wie bei uns die Apfelbäume, und sie waren gerade reif, was für ein Fest!


In Niederdorla sahen wir rekonstruierte, Germanische Opferplätze. Dieses war ein Schiffsplatz mit Tierschädel. Vermutlich wurde um sichere Heimkehr der Seefahrer gebetet.


An diesem Platz steckte einfach ein Kreis von Stangen in der Wiese. Trotzdem war die Atmosphäre hier irgendwie besonders.


Mein Geburtstagsfeuer, späteres Grillfeuer und gleichzeitig ein Gruß an den Feuergeist.


Licht am Ende des Tunnels...


Saba hatte einen Spielkameraden gefunden.


Die Abensonne über einem Getreidefeld


Das rekonstruierte Sonnenobservatorium in Goseck, das ursprünglich hier vor ca. 7000 Jahren stand und für ein paar Jahrhunderte genutzt wurde. Mit seinen Öffnungen zum Sonnenauf- und Untergang spezieller Zeiten im Jahr lässt es vermuten, dass die Menschen hier schon damals die Jahresfeste feierten.


Der rote Mohn ist ein schöner Schmuck am Feldrand. Leider sieht man die blauen Kornblumen nur noch selten.


Der Jahreszeitentisch für die Enkel mit einem goldenen Kornfeld.


Die Korngöttin begleitete uns durch das Fest.


Die Trommeln werden vor dem Fest für einen besseren Klang noch einmal in der Abendsonne angewärmt

20.4.13

Der neunte Tag - und das grüne Band


Blick nach Thüringen über die ehemalige Grenze

Wieder ein kalter Tag, zwar keine Minusgrade, aber der Wind blies dort oben fast so scharf wie am Anfang. Ich kam an die Thüringische Grenze - hier das "grüne Band Deutschlands" genannt - weil man die Gegend mehr oder weniger sich selbst überlässt.


Was für eine endlose Tristesse...

Eine Weile lief ich auf dem alten Plattenweg an der Deutsch-Deutschen Grenze aus DDR-Tagen. Und während ich so sinnierte, ob man hier wohl Wölfe ansiedeln könnte, und dabei versuchte, ein altes, lange vergessenes Lied zu erinnern und zu singen: "August, der Schäfer hat Wölfe gehört, Wölfe mitten im Mai...", flogen zwei Schwarzstörche ganz in der Nähe auf, so schön und majestätisch.

...ansonsten sind die Thüringer mit Bänken eher sparsam

Dann gings den Horbel rauf, immer rauf und runter durch Buchenwälder um den Horbel rum und zum Schluss zwei gefühlt endlose Kilometer auf einer steilen Asphaltstraße vom Berg runter ins Dörfchen, um mich abholen zu lassen.


Wachturm

18.4.13

Hollekäfer



Heute beim Hollestein: der Winter war fort, und grad als ich mich mit einem Kuss vom Stein verabschieden wollte, da sah ich den Kleinen, einen veritablen Siebenpunkt. Ich hatte mit bloßen Händen Blätter und Erde aus der Vertiefung des Steins gekratzt und den Käfer wohl dabei aus seinem Winterquartier aufgescheucht - ein Gruß?