22.12.14

Wintersonnenwende



Das Mittwinterfest feiern die Menschen in Mitteleuropa schon viele Tausend Jahre lang, was anhand von steinernen und hölzernen, kreisförmigen Sonnenobservatorien abgelesen werden kann. Vermutlich feierten es unsere Vorfahren bereits, seitdem sie begonnen hatten, sesshaft zu werden, Pflanzen anzubauen und vom Klima abhängig zu sein. Welche Freude, wenn die Zeit der Dunkelheit bald zu Ende geht und in der längsten Nacht das Lichtkind (wieder)geboren wird! Die Sonne steigt erneut auf ihrer Bahn und nimmt Tag für Tag an Kraft zu. Doch bevor es wieder wärmer wird, übernehmen Väterchen Frost und die Winterriesen die Herrschaft, und es wird noch mal richtig kalt.
 
Der „Grüne Mann“, der Herr der Wälder und der grünen Pflanzen hat sich mit seiner Kraft in die immergrünen Nadelbäume zurückgezogen. Deshalb tut es gut, sich etwas von diesen Zweigen und Bäumen ins Haus zu holen und aus ihnen Hoffnung auf das nächste Frühjahr zu schöpfen. Und es ist gut, viele Lichter zu entzünden, sowohl äußere als auch innere, um sich an das Licht und die Wärme der Sonne zu erinnern. Innere Lichter leuchten besonders hell, wenn man liebt und anderen eine Freude macht, daher wohl die Tradition des Schenkens.

1.11.14

Das Ahnenfest



November ist Ahnenzeit. Pflanzen und Bäume ziehen ihre Lebenssäfte in die Wurzeln zurück und lassen sie den Winter über tief in der Erde zur Ruhe kommen. Die Blätter welken, werden zuerst gelb, manche rot und dann braun, bis sie sich schließlich ganz lösen und zu Boden fallen. Nur was verholzt ist, bleibt stehen. Oberhalb der Erde sieht es nach dem ersten Frost so aus, als ob die Vegetation gestorben wäre. Die verwelkten Pflanzenteile und Blätter bilden einen Teppich, der die Erde zudeckt und vor der Kälte schützt. Die Tage werden weiterhin kürzer, und Nebel lässt die Konturen verschwinden. Die Vögel singen nicht mehr, und viele Tiere haben sich verkrochen, um Winterruhe zu halten. 
 
Wir tun es ihnen gleich, ziehen uns in die Häuser zurück, und beschäftigen uns mehr und mehr mit innerlichen Angelegenheiten. Es ist eine gute Zeit, um sich an seine Wurzeln zu erinnern und derer zu gedenken, die vor uns da waren und denen wir unser Dasein auf der Erde zu verdanken haben. Man sagt, die Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten werden jetzt dünner, und Kontakte sind leichter möglich. Es tut gut, sich mit den Ahnen zu verbinden. Und wer sich ihnen mit Dank aber auch mit Bitten zuwendet, kann die Erfahrung machen, dass sie uns generell freundlich gesonnen sind und gerne helfen.

10.8.13

Schnitterzeit und unsere Nord-Ost-Reise






An den Straßenrändern in Thüringen wuchsen die Kirschbäume wie bei uns die Apfelbäume, und sie waren gerade reif, was für ein Fest!


In Niederdorla sahen wir rekonstruierte, Germanische Opferplätze. Dieses war ein Schiffsplatz mit Tierschädel. Vermutlich wurde um sichere Heimkehr der Seefahrer gebetet.


An diesem Platz steckte einfach ein Kreis von Stangen in der Wiese. Trotzdem war die Atmosphäre hier irgendwie besonders.


Mein Geburtstagsfeuer, späteres Grillfeuer und gleichzeitig ein Gruß an den Feuergeist.


Licht am Ende des Tunnels...


Saba hatte einen Spielkameraden gefunden.


Die Abensonne über einem Getreidefeld


Das rekonstruierte Sonnenobservatorium in Goseck, das ursprünglich hier vor ca. 7000 Jahren stand und für ein paar Jahrhunderte genutzt wurde. Mit seinen Öffnungen zum Sonnenauf- und Untergang spezieller Zeiten im Jahr lässt es vermuten, dass die Menschen hier schon damals die Jahresfeste feierten.


Der rote Mohn ist ein schöner Schmuck am Feldrand. Leider sieht man die blauen Kornblumen nur noch selten.


Der Jahreszeitentisch für die Enkel mit einem goldenen Kornfeld.


Die Korngöttin begleitete uns durch das Fest.


Die Trommeln werden vor dem Fest für einen besseren Klang noch einmal in der Abendsonne angewärmt

20.4.13

Der neunte Tag - und das grüne Band


Blick nach Thüringen über die ehemalige Grenze

Wieder ein kalter Tag, zwar keine Minusgrade, aber der Wind blies dort oben fast so scharf wie am Anfang. Ich kam an die Thüringische Grenze - hier das "grüne Band Deutschlands" genannt - weil man die Gegend mehr oder weniger sich selbst überlässt.


Was für eine endlose Tristesse...

Eine Weile lief ich auf dem alten Plattenweg an der Deutsch-Deutschen Grenze aus DDR-Tagen. Und während ich so sinnierte, ob man hier wohl Wölfe ansiedeln könnte, und dabei versuchte, ein altes, lange vergessenes Lied zu erinnern und zu singen: "August, der Schäfer hat Wölfe gehört, Wölfe mitten im Mai...", flogen zwei Schwarzstörche ganz in der Nähe auf, so schön und majestätisch.

...ansonsten sind die Thüringer mit Bänken eher sparsam

Dann gings den Horbel rauf, immer rauf und runter durch Buchenwälder um den Horbel rum und zum Schluss zwei gefühlt endlose Kilometer auf einer steilen Asphaltstraße vom Berg runter ins Dörfchen, um mich abholen zu lassen.


Wachturm

18.4.13

Hollekäfer



Heute beim Hollestein: der Winter war fort, und grad als ich mich mit einem Kuss vom Stein verabschieden wollte, da sah ich den Kleinen, einen veritablen Siebenpunkt. Ich hatte mit bloßen Händen Blätter und Erde aus der Vertiefung des Steins gekratzt und den Käfer wohl dabei aus seinem Winterquartier aufgescheucht - ein Gruß?

17.4.13

Der achte Tag - und der Frühling duftet!



Heute endlich Veilchen. In einem Vorgarten zwar nur, aber geduftet haben sie genauso himmlisch. Und später sah ich tatsächlich noch zwei wilde Blütchen, die sich auf einem Grasweg in eine Mulde duckten. Überhaupt ist der Frühling jetzt nicht nur zu sehen und zu hören, sondern auch zu riechen. Und immer mal wieder Bärlauchduft - kann aber sein, dass es mein Atem war, denn ich hatte zum Frühstück schon welchen gegessen. Eine erste Pestwurzblüte an einem Bach sah ich auch - in Rot.


Das erste Mal kurze Ärmel! So viele erste Male, deshalb nennen die Italiener ihren Frühlig auch Primavera. Von oben betrachtet sind die jungen Getreidefelder echt Smaragdgrün, und ich singe das Lied vom lieben Mai, der endlich auch die Bäume wieder grün machen soll.


Am Anfang so eines Wandertages tun meistens die Beine, Kniee und Füße etwas weh und sind noch steif. Das lässt aber irgendwann nach - bis gegen Ende der Tagesstrecke, dann tut wieder alles weh, und ich werde etwas unleidlich. Aber wer weiß, wie lange ich so etwas überhaupt noch machen kann.


14.4.13

Der siebte Tag - und ein Hunde"schlitten"


Rückenlehne einer Hochrhöner-Bank

Sonntag. Als erstes begegnete mir ein Gefährt aus Metallrohren auf Rädern, das von zehn Hunden gezogen wurde. Der Mann bog zwar vom Weg ab und fuhr über die Wiese, aber die Hunde blieben trotzdem stehen und guckten nach Saba, die außerdem auch noch läufig ist. Mit einiger Mühe und der Hilfe seines kleinen Sohnes kriegte er sein Gespann aber wieder in die Spur. Gewundert habe ich mich darüber, dass die Hunde kaum größer oder kräftiger aussahen als Saba, also eher schmal und zierlich.


Habe an verschiedenen Stellen frisches, glänzendes Sternmoos gesehen und einmal einen Zitronenfalter. Ein oranger Schmetterling, flog zu schnell vorbei, als dass ich ihn hätte erkennen können. Ich sah Buschwindröschen, Huflattich und Schlüsselblumen und hörte ein Vogelkonzert mit Specht-Percussion. Ein paar winzige Schneeflecken gab es nur noch, dafür war der Boden feucht und aufgeweicht.

Unten liegt Habel

Der Habelstein! Hoch aufragende Basaltene Vulkanschlote und tiefe Schluchten am Hang des Habelberges, ein gewaltiger Ort. Ein bisschen wurden mir die Kniee weich, so steil und tief ging es da hinunter. Hab auch den Habelmann getroffen, eine Gestalt aus schwarzem Basalt, drei bis vier Meter groß und erstaunlich behende. Und viele kleine Steinwesen wuselten da herum. Ich fand das im ersten Moment seltsam, wie lebendig Steine sind.