10.4.12

Ostara-Spirit


Jetzt ist wirklich Frühling! Die Schlüsseblumen blühen im Wald. Egal ob's noch mal kalt wird oder gar schneit, der Frühling ist in mein Herz gezogen. So intensiv und lange habe ich das noch nie erlebt.

Vor drei Wochen haben wir zur Tag- und Nachtgleiche mit Freunden am Feuer gefeiert, und jetzt ist Ostern mit der Familie gerade vorbei. Vielleicht liegt es daran, dass mir in diesem Jahr Frau Holle als Hüterin der ungeborenen Seelen erschienen ist. Überall sehe ich sie und ihren Frühlingsaspekt Ostara, in jeder Blume und in jeder grünen Blattknospe, in den Vögeln, die Material für ihre Nester suchen und in den quirligen Bächen, die vom Eis befreit sind. Ich spüre sie in der Wärme der Sonne, rieche ihren süßen Blütenduft und höre sie im Jubeln der Vögel.

Die Erde legt ihr grünes Frühlingsgewand an, vom Regen nass und von der Sonne beschienen funkelt es so kostbar wie Smaragd. Von Frau Holle hieß es mancherorts, sie trüge einen grünen Schleier. Und Hildegard von Bingen besang die Grünkraft, oder war ich es, die ein Lied aus ihren Worten machte?

"Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit,
und diese Kraft ist grün.
Aus lichtem Grün sind Himmel und Erde geschaffen
und alle Schönheit der Welt."

26.2.12

Hutzelfeuer

foto wiki

Heute ist wieder Hutzelsonntag, der Sonntag nach Aschermittwoch, heute werden bei uns die Winterdämonen mit großen Feuern vertrieben und verbrannt. Seit Wochen schon wurde der Hutzelhaufen von den Jugendlichen der Freiwilligen Feuerwehr aufgeschichtet, etliche Meter ist er nun hoch. In der Hauptsache Baum- und Heckenschnitt und die alten Weihnachtsbäume wurden im Wald und im Dorf gesammelt, aber auch andere Holzabfälle werden mit verbrannt.

Hutzeln sind ursprünglich gedörrte Pflaumen, aber auch sehr alte Frauen mit runzligem Gesicht wurden so genannt. Es gab an diesem Sonntag traditionell die Huitzelsopp zu essen oder auch Huitzelkreppel, welche die jungen Leute von den Dorfbewohnern geschenkt bekamen. Bevor die Fastenzeit endgültig begann, wurde an diesem Tag noch einmal richtig geschlemmt. Heutzutage gibt's bloß noch Bratwürscht, Bier und Glühwein, wie überall halt.

Oben auf dem Scheiterhaufen wird eine Puppe aus Stroh angebracht, manchmal bekleidet, die ursprünglich Frau Holle als Wintergöttin darstellen soll. Die Göttin Holle wurde bis ins 17. Jh. hinein in Mitteldeutschland verehrt. Das weiß heute kaum noch jemand. Ich habe auch schon an andere Leute gedacht, die auf solchen Feuern verbrannt worden sind, und jedes Jahr gruselt es mich wieder ein wenig. Das Ritual ist wahrscheinlich sehr alt, von vor der Christianisierung bestimmt, weshab die Kirche das Hutzelfeuer auch lange Zeit verboten hat. Erst seit fast Hundert Jahren wird es wieder gefeiert.

Dieses Jahr gab's vorab amtliche Schelte. Die feuchten Haufen wurden oft mit Benzin oder gar Altöl entzündet, und es wurde auch nicht immer so genau drauf geschaut, was da letztendlich alles mit verbrannt wurde. Aber heute sah ich , wie trockene Strohballen zum entzünden herangefahren wurden.

Jetzt haben sich die Jugendlichen in ihren Feuerwehruniformen am unteren Ende unserer Straße versammelt und ziehen mit Fackeln an unserem Haus vorbei hoch zum Feuerplatz. Die Winter"hexe" bringen sie in einer Schubkarre mit. Ich will auch mal beim Entzünden mit dabei sein und muss deshalb jetzt los.

Und am Himmel gab's dazu einen himmlischen Dreier zu sehen: die zunehmende Mondsichel wurde ganz eng von Jupiter und Venus flankiert.

24.1.12

Kommen und Gehen


In der Nacht hatte ich einen schönen Traum. Ich träumte, Kali wäre wieder jung und munter, und wir liefen und spielten zusammen im Sonnenschein. Da dachte ich, sie wäre schon in der Nacht gestorben. Aber sie tat erst am nächsten Morgen ihre letzten Atemzüge.

Vierzehn Jahre lang gehörte sie zur Familie und war der beste Hund, den wir je gehabt haben. Vor einer Woche hatte sie sich hingelegt und war nicht mehr aufgestanden, fraß nicht und trank auch nicht mehr. Im Herbst hatte die Tierärztin Krebs bei ihr festgestellt, drei Tumore waren zu fühlen gewesen. Sie bekam homöopathische Spinnengiftspritzen, die das Wachstum der Geschwulste verlangsamen sollten, Schmerzen hatte sie anscheinend keine. Wir hatten trotzdem den Eindruck, dass sie beschlossen hatte zu Sterben.

Vielleicht hatte die Tatsache, dass wir Weihnachten einen neuen kleinen Hund bekamen, damit zu tun. Die beiden schienen sich trotz Altersunterschied gut zu verstehen, obwohl die Kleine manchmal ziemlich wild und anstrengend war. Dann trennten wir sie immer für eine Weile. Möglicherweise wusste Kali uns nun in guten Händen (oder Pfoten) bei ihrer Nachfolgerin und konnte beruhigt gehen.

Nach dem Tod von Kalis Tochter Loba im vergangenen Mai, wollte ich irgendwann wieder einen zweiten Hund. Als ich im November wegen der Spritzen mit ihr bei der Tierärztin war, fragte ich schon beim Hinausgehen aus der Praxis - einer Eingebung folgend - ob sie wüsste, wo es junge Hunde gäbe. Später dachte ich einmal, die Kali hätte mir das eingegeben. Die Tierärztin erzählte auch gleich von einem Wurf im Nachbardorf. Am selben Abend noch riefen die Hundebesitzer an, und schon am nächsten Tag waren wir dort und suchten uns aus dem Wurf unsere Saba aus. Bis sie zu uns kam, dauerte es aber noch einige Wochen.

Kali ist in großer Würde gestorben. Etwas Ähnliches haben wir schon einmal vor vielen Jahren mit einem Kater erlebt. Sie scheinen eine so große Seele zu haben - es ist ein Mysterium.

Nachdem wir Kali der Erde zurückgegeben hatten, sangen wir ein Lied:

Buzzard call you back to the wild land
heron fly you home
Journey to the soul of your own land,
where the mothers wait for your return
heron fly you home.

Und als wir das gesungen hatten, rief der Bussard vom Hungerwald über unseren Köpfen.

12.1.12

Frühe Frühlingsgefühle

Letztens:



Spätestens seit dem Frau Holle Tag am 6. Januar singen die Vögel wieder. Heute klopfte ein Specht im Wald, und am Himmel waren blaue Löcher in der Wolkendecke. Um das Frühlingsgefühl komplett zu machen, gibt es zum Abendbrot Feldsalat aus dem Garten und die ersten Spitzen von Giersch und Oregano.



Der Salat wurde mit Zwiebeln, gerösteten Walnüssen und gebackenem Fetakäse bestreut.

7.1.12

Vollmond


Vollmondtrommeln am Montag, den 9. Januar 2012

Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude.
Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht.
Ich handelte und siehe, die Pflicht ward zur Freude. (Tagore)

Das Gedicht von Tagore beschreibt treffend die gegensätzlichen Energien, die an diesem Tage wirksam sind. Der Krebs-Vollmond, welcher im Besonderen das Wohlergehen im Schoß von Familie, Heim und Heimat begünstigt, trifft auf sein Gegenüber, die Steinbocksonne, die ganz im Zeichen von übergeordneter Pflichterfüllung steht. An diesem Tag geht es darum, beides zu integrieren. Der weibliche Krebs-Vollmond lehrt uns, unsere mütterlichen Kräfte der Empfänglichkeit zu fühlen, welche die zeugenden Energien der väterlichen Steinbocksonne aufnehmen und die Vereinigung von Beidem wiederum in die Schöpfung hinein schenken und verteilen und nach außen in die sichtbar materielle Ebene tragen.

Ein Tag der großen Emotionen - halte nicht hinterm Berg mit dem, was in dir vorgeht. Nimm ruhig mal jemanden spontan in den Arm, der Zuwendung oder Trost braucht. Oder sage zu einem besonderen Menschen: „Ich habe dich lieb!“ Dein Mantra für diesen Tag: ich höre auf die Stimme meines Herzens.

Die Vollmondenergie ist im Allgemeinen gut dafür geeignet, laufende Prozesse zum Abschluss zu bringen, um sie daraufhin loszulassen, damit in dem neuen Mondumlauf Platz für Neues entsteht. Und der erste Vollmond im neuen Jahr eignet sich besonders gut dazu, Pläne für das kommende Jahr zu schmieden.

18.12.11

Inspiration


Zum Wintersonnenwendabend am 21. haben wir ja zum Trommeln und Feiern eingeladen. Es haben sich auch schon einige Menschen dazu angemeldet. Das mit dem Wetter würde schon irgendwie gut gehen, so hofften wir. Leider sagen die Wetterberichte etwas Anderes voraus, nämlich Regen, Regen, Regen.

In dem Falle hatten wir geplant, in den großen Raum zu gehen, aber gefallen hat uns die Vorstellung überhaupt nicht. Was würde dann aus unserem schönen Feuer werden?

Für meinen Ritualbeitrag werde ich Räucherwerk brauchen. Heute machte ich mich ans Mischen und dachte dabei an etwas Weihnachtliches. In einer großen Schüssel mischte ich Lavendel und Rosmarin, Nelken, Piment, Chilis und viele Orangenschalen. Des weiteren kommen noch Rosen- und Holunderblüten, Zimt, Weihrauch und heimische Harze hinein und was mir sonst so im Gewürzschrank und in der Räucherkiste begegnet. Und während ich so ganz selbstvergessen am Mischen und glücklich am Schnuppern bin, da fällt mir ganz plötzlich ein: wir haben ja auch noch eine große überdachteTerrasse! Die liegt vor der Wohnung meiner Mum, und im Winter benutzen wir sie fast nie.

Dort steht auch eine Feuerschale, sodass wir auf kein Fall aufs Feuer verzichten müssen! Was ist mir ein Stein vom Herzen gefallen!

20.11.11

Reise nach Tibet

Kloster Ganden, Lhasa

Die Frage angesichts aller Verwirrung im Trommelkreis war: was soll das, und was kann ich tun? Ich kam zu einem tibetischen Tempel, der in eine graue Felswand hinein gebaut war. Bunte Stoffbahnen flatterten in der kühlen Luft. Drinnen endlose Gänge und Räume, viel bunte Seide und ein gelb bemützter Lama, der scheußlich schmeckenden Buttertee mit mir trank. Er erinnerte mich an das Mantra des blauen Medizinbuddha, welches ich im Sommer lernte. Ich sang es noch während ich trommelte. Er erinnerte mich an den Chöd, das „Dämonen füttern“ von Machig Labdrön, einer tibetischen Nonne aus dem 11. Jahrhundert, welches ich in meine schamanische Praxis integriert habe. Und – ganz wichtig – er erinnerte mich an das Meditieren, was ich schon so lange in meinen Tagesablauf einbinden möchte, zutiefst von seiner Wohltat überzeugt. Aber noch sträubt sich mein rastloser Verstand…











der 100. Ganden Tripa